Übernahmen sind tabu
Schöffel: Vom Strumpfhändler zum Outdoor-Spezialisten

Mit Strümpfen hat alles angefangen. 1804 erhielt Georg Schöffel die Konzession, mit Socken, Nachthauben und Zipfelmützen zu handeln. Die Produktpalette war kein Zufall, denn Schöffels Heimatstadt Schwabmünchen war zu jener Zeit für seine Strickwaren bekannt. Doch längst hat sich die Produktion verändert und ist nach Asien abgewandert. Schöffel allerdings gibt es immer noch - mittlerweile in siebter Generation.

SCHWABMÜNCHEN. Heute steht der Name für Outdoor-Equipment: für Trekkinghosen und Regenjacken, Wanderhemden und Poloshirts. Mit seiner Allwetter-Kleidung hat der Unternehmer Peter Schöffel vergangenes Jahr 75,5 Mio. Euro umgesetzt.

Im Vergleich zu großen Sportartikelkonzernen wie Nike oder Adidas ist Schöffel ein Zwerg. Doch wenn es um Outdoor geht, gehören die Schwaben zu den begehrtesten Marken hierzulande. Bei Deutschlands führender Sporthandelskette Intersport rangiert das Familienunternehmen auf Platz sechs der größten Lieferanten.

Als Hubert Schöffel, der Vater des heutigen Firmenlenkers, in den 60er- Jahren eine angeschlagene Lederhosenfabrik in Schwabmünchen kaufte, da konnte er nicht ahnen, dass sein Unternehmen eines Tages von Funktionsbekleidung leben würde. Doch der Unternehmer war einer der ersten, die Ende der 70er-Jahre das Potenzial von Gore-Tex erkannten. Mit dem damals neu entwickelten, atmungsaktiven Stoff konnte Schöffel Anoraks anbieten, die sich schnell zum Verkaufsschlager entwickelten.

Mit der Funktionsbekleidung hatte Hubert Schöffel den richtigen Riecher, die Umsätze des Outdoor-Branche wachsen seit 30 Jahren - sogar in der gegenwärtigen Krise. "Der Markt entwickelt sich gut", sagt Intersport-Chef Klaus Jost. Das Segment ist so attraktiv, dass momentan sogar Adidas einen neuen Anlauf unternimmt, um unter Wanderern und Bergsteigern Fuß zu fassen. Die Marke mit den drei Streifen spielt hier bislang keine Rolle. Doch Adidas kann es sich nicht leisten, diesen Bereich zu ignorieren: Der zweitgrößte Sportartikelhersteller der Welt schätzt den globalen Outdoor-Umsatz auf 59 Mrd. Dollar jährlich.

Die Angriffe großer Konzerne nimmt Firmenchef Peter Schöffel gelassen. Schließlich haben sie es alle schon einmal versucht, selbst Weltmarktführer Nike wollte mit aller Macht ins Outdoor-Geschäft eindringen. Doch bis heute dominieren Mittelständler die Szene. "Viele Outdoor-Anbieter sind regional verwurzelt und bodenständig, das kommt bei den Kunden gut an", erklärt Strategieberater Franz Schmid-Preissler.

Doch auch in der Zentrale von Schöffel in Schwabmünchen ist in den vergangenen Jahren nicht alles glatt gelaufen. Als Flop erwies sich die Übernahme der Marke Klepper, und auch die Kollektion für das Zigarettenlabel "Camel" war ein Fehler. Als die Schwaben richtig loslegen wollten, stampfte der Vorstand der Amerikaner das Projekt ein, 15 Prozent vom Umsatz gingen Schöffel verloren. Inzwischen konzentriert sich die Familienfirma auf Kleider unter der eigenen Marke - Übernahmen sind tabu in dem Betrieb mit seinen 200 Beschäftigten. In den vergangenen Jahren ist es fast immer aufwärts gegangen, zwischen 2004 und 2008 kletterte der Umsatz um zwölf Mio. Euro.

Unternehmer Schöffel würde die Firma eines Tages gerne in gutem Zustand an die nächste, die achte Generation weitergeben. Bis jetzt hält sich der 48-Jährige mit Plänen zurück, die Kinder gehen schließlich noch in die Schule. Aber auch nach 205 Jahren plant die Familie langfristig.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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