Übernahmen und Fusionen
Banken werden mutiger

Der Bereich Übernahmen und Fusionen (M&A) im Mittelstand ist von der Kreditkrise nicht verschont geblieben. Doch mittlerweile gibt es Anzeichen dafür, dass die Durststrecke vorüber ist. Im Markt für Übernahmen mittelgroßer Unternehmen verzeichnen zahlreiche Häuser ein Zwischenhoch.

FRANKFURT. Dazu tragen die Banken bei. Bleibt als Risiko die bevorstehende Konjunkturabkühlung, die die Beraterbranche bislang aber noch nicht zu sorgen scheint.

"Sicherlich ist die Aktivität im Mid-Market nach unten gegangen", sagt Manfred C. Ferber, Managing Partner bei der Münchener Investmentbank-Boutique Ferber & Co. "Aber wir verzeichnen nach wie vor eine hohe Aktivität, die im Juni und Juli sogar gestiegen ist." Das vor 20 Jahren gegründete Beratungshaus, das sich mit neun Mitarbeitern auf Deals bis 500 Mill. Euro konzentriert, hat seit Jahresbeginn trotz Kreditkrise vier Transaktionen abgeschlossen. Zwei bis drei weitere könnten kurzfristig folgen. Experten gehen davon aus, dass sich derzeit in Deutschland rund 50 Transaktionen im Markt befinden.

Andere Häuser sehen ebenfalls eine hohe Aktivität. So verwies das US-Haus Jefferies hierzulande erst kürzlich auf den Abschluss zweier Deals im vergangenen Quartal. Dazu zählte die Übernahme der Buderus Spezialguss durch die Deutsche Giesserei- und Industrie-Holding AG. Dass es zuletzt wieder besser lief, hat vor allem zwei Gründe. Zum einen lässt die Zurückhaltung der Banken bei der Finanzierung - verglichen mit den ersten Monaten des Jahres - etwas nach. Tendenziell werden sogar wieder höhere Verschuldungsmultiplikatoren eingeräumt. Voraussetzung sind stabile Geschäftsaussichten. Zum anderen akzeptieren Verkäufer mittlerweile auch niedrigere Preise. "Durchschnittlich betrachtet liegt man derzeit eher beim Sechsfachen des operativen Gewinns, vor der Krise war man mitunter beim Zehnfachen", erläutert Ferber-Partner Alexander von Hachenburg. Damit könnte auch der bislang negative Trend im mittelständischen M&A-Geschäft mit deutscher Beteiligung ein Ende finden. Nach Zahlen des Datenanbieters Thomson Reuters sank die Zahl der Transaktionen in dem Segment bis 500 Mill. Dollar seit Januar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 29 Prozent auf 1 153. Noch stärker schrumpfte das Deal-Volumen, das sich mit knapp 18,4 Mrd. Dollar annähernd halbierte. In anderen europäischen Länder zeigt sich die gleiche Entwicklung.

Die sich abkühlende Konjunktur sieht man bei Ferber & Co. zumindest bislang nicht als gravierenden Belastungsfaktor. "Wir glauben, dass sich der mittelständische M&A-Markt auf dem aktuellen Niveau stabilisieren wird", sagt Managing Partner von Hachenburg. Die Finanzkrise hemme zwar derzeit zweifelsohne die Aktivität von Finanzinvestoren. Zugleich seien strategische Käufer aber verstärkt daran interessiert, Schnäppchen zu erwerben. Hinzu komme, dass große Konzerne nach wie vor Teile ihres Geschäfts abspalteten. Und schließlich gebe es konstant Mittelständler, die mangels geeigneter Nachfolger den Verkauf ihrer Firma planten.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
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