Übernahmen und Fusionen: Mittelstand weckt Interesse

Übernahmen und Fusionen
Mittelstand weckt Interesse

Meist ist es das wichtigste Geschäft im Leben eines Unternehmers: der Verkauf der eigenen Firma. Längst beschäftigt das Thema Fusionen und Übernahmen – im Fachjargon Mergers & Aquisitions oder kurz M&A genannt – nicht mehr nur Großkonzerne wie BASF oder Linde, die spektakuläre Zukäufe im Ausland planen. Auch für den heimischen Mittelstand wird das Gebiet immer interessanter.

FRANKFURT. In über zwei Dritteln der Fälle geht es dabei um Unternehmensverkäufe. Konkret heißt das, die M&A-Berater kümmern sich vor allem um Eigentümer, die ihre Firma verkaufen wollen oder um Finanzinvestoren, die ihre Beteiligungen an mittelständischen Unternehmen zu Geld machen.

Nach Jahren der Flaute boomt der weltweite Markt für Übernahmen wieder. 2005 war das drittbeste Jahr für die globale M&A-Branche, und nach Meinung der meisten Experten wird sich der Aufwärtstrend 2006 fortsetzen. Davon können nach Einschätzung der auf den Mittelstand spezialisierten Angermann M&A-International GmbH auch kleinere Firmen profitieren. „Ich schließe nicht aus, dass mancher mittelständische Unternehmer in Deutschland, der sich mittelfristig von seiner Firma trennen will, in einigen Jahren der aktuellen Marktsituation nachtrauert. Denn im Moment hat er die Chance, in Verhandlungen mit mehreren ernsthaften Interessenten einen attraktiven Preis zu erzielen“, sagt Hans Bethge, geschäftsführender Partner von Angermann M&A International. Vor allem im Ausland sei das Interesse groß. „Wir erwarten für 2006 zunehmende Übernahmeaktivitäten durch wachstumsstarke Unternehmen aus China, Indien, dem Nahen Osten und Russland.“

Tatsächlich muss auch der Mittelstand den Blick über die Landesgrenzen hinaus richten, wenn es um M&A-Geschäfte geht. Rund zwei Drittel der Transaktionen seien mittlerweile international, erläutert ein Investmentbanker. Zuletzt sicherte sich beispielsweise das US-Unternehmen Emerson für 80 Mill. Euro den Zuschlag für den deutschen Telekom-Zulieferer Knürr.

Längst haben sich die Banken auf diesen Trend eingestellt. Nicht nur Häuser wie Close Brothers oder M&A International verfügen mittlerweile über weit verzweigte internationale Netzwerke. Aber potenzielle Verkäufer sind nicht unbedingt auf die Hilfe einer Investmentbank angewiesen. Auch Berater und Wirtschaftsprüfer bieten dem Mittelstand ihre Dienste an, wenn es um M&A-Transaktionen geht. Im Bereich der Übernahmen mit einem Volumen bis zu 200 Mill. Dollar führten in Europa 2005 die Prüfungsgesellschaften KPMG und Price Waterhouse Coopers die Rangliste der M&A-Berater an. Erst im Marktsegment bis 500 Mill. Dollar dominieren die klassischen Investmentbanken.

Nach Einschätzung von Thomas Ehren, Managing Partner im Bereich Advisory bei KPMG, entscheidet sich der Erfolg einer Transaktion oft schon weit im Vorfeld. Am Anfang eines Verkaufs müsse die klare Willensbildung stehen, besonders bei Firmen mit mehreren Eigentümern wie Familienunternehmen. „Die Verkäufer sollten möglichst früh möglichst eindeutige Entscheidungen treffen, beispielsweise zur Frage, welcher Kaufpreis mindestens erzielt werden soll oder ob einige Käufer von vorneherein nicht in Frage kommen“, fordert Ehren.

Wie hoch die Gebühren sind

Kosten

Insgesamt müssen die Verkäufer mit Gebühren zwischen zwei und vier Prozent des Unternehmenswertes inklusive Schulden rechnen. Das heißt, bei einem Volumen von 200 Mill. Euro würden zwischen vier und acht Mill. Euro für M&A-Berater, Anwälte und Steuerberater fällig.

Gebührenmodelle

Investmentbanken und andere – vor allem auf den Verkaufsprozess fokussierte – M&A-Berater wie KPMG arbeiten meist auf Erfolgsbasis. D.h., 80 bis 90 Prozent der Gebühren fließen erst beim gelungenen Abschluss einer Transaktion. Einige klassische Unternehmensberater, die ebenfalls ihre Hilfe bei Fusionen und Übernahmen anbieten, arbeiten dagegen nach einer festen Gebührenordnung.

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