Übernahmephantasie
Georg Fischer bereitet sich auf Abwehrschlacht vor

Der Schweizer Automobilzulieferer Georg Fischer (GF) ist kurz nach einer Gewinnwarnung ins Visier des Großinvestors Giorgio Behr geraten. Die Übernahmephantasie beflügelte den Börsen-Kurs, die Aktie von GF stieg um mehr als fünf Prozent.

ZÜRICH. Dessen Beteiligungsgesellschaft BDS hat an der Börse einen Anteil von 6,36 Prozent des Aktienkapitals erworben. GF hat umgehend die Zugbrücken hochgezogen und darauf hingewiesen, dass an der Stimmrechtsbeschränkung von fünf Prozent nicht gerüttelt werde. Der Verwaltungsrat werde sich allen Versuchen einzelner Investoren widersetzen, die Kontrolle über das Unternehmen zu erlangen, teilte der Konzern aus Schaffhausen mit. Die Übernahmephantasie an der Börse konnte GF damit kaum bremsen: der Kurs stieg um mehr als fünf Prozent.

Der dramatische Einbruch in der Automobilindustrie hat viele Zulieferer zu Übernahmeobjekten gemacht. So ist der Marktwert von GF in diesem Jahr bereits rund 70 Prozent gefallen und steht jetzt bei etwa 950 Mio. Franken. Das Schweizer Unternehmen ist der führender Hersteller von Metallgusseisen in Europa und erzielt rund die Hälfte seines Umsatzes von 4,5 Mrd. Franken mit diesen Autoteilen. Der Absatz ist innerhalb von wenigen Wochen bis zu 40 Prozent eingebrochen. Vorstandschef Yves Serra kündigte daraufhin zwei „harte Jahre“ für sein Unternehmen an. Ein Werk in Deutschland hat bereits Kurzarbeit eingeführt.

Ein Stellenabbau wird nicht ausgeschlossen. Behr sagte in einem Interview mit der Schweizer Zeitung „Finanz und Wirtschaft“, er wolle sich bei GF langfristig engagieren. GF-Verwaltungsratspräsident Martin Huber konterte sofort: es liege im Interesse von Kunden und Mitarbeitern, dass das Aktienkapital breit gestreut sei. Die schroffe Abfuhr hat Experten überrascht.

Da der Verwaltungsrat noch nicht einmal die Intention von Behr geprüft habe, dränge sich der Verdacht auf, dass es dem Management mehr um die eigenen Interessen als um die seiner Kunden und Mitarbeiter gehe, heißt es.

Der 60- jährige Behr hatte sich bereits beim Schleifmittelproduzenten Sia Abrasives eingekauft. Der Übernahmeversuch scheiterte jedoch, weil Robert Bosch die Pläne mit einem Gegenangebot durchkreuzte. Behr konnte aber Kasse machen und soll seinen Anteil von 40 Prozent für den stolzen Preis von 154 Mio. Franken an Bosch verkauft haben.

Zwar hat GF den potenziellen Übernahmeversuch von Behr vorerst blockiert. Einen Ausweg aus der Absatzkrise hat der Autozulieferer damit aber noch nicht gefunden. Zwar läuft die Werkzeugmaschinensparte noch einigermaßen rund, und auch die Rohrleitungstechnik birgt noch Wachstumschancen. Die Krise im Automotive-Geschäft überschattet jedoch die beiden anderen Sparten. Der Konzern musste auf die größte Sparte 90 Mio. Franken abschreiben. Analysten haben ihre Gewinnprognosen für das nächste Jahre deutlich gesenkt.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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