Uhlsport bei der Fußball-WM
Der deutsche Ausrüster des Iran

Heute Abend startet der Iran in die Fußball-WM – unterstützt vom Trikotproduzenten Uhlsport aus Baden-Württemberg. Die Kooperation hat für die Schwaben unangenehme Nebenwirkungen. Ein Mittelständler im Medientrubel.
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DüsseldorfFür Sportartikelriesen wie Nike, Adidas und Puma ist die Fußball-WM eine einzige Materialschlacht. Superstars wie Brasiliens Neymar, Argentiniens Lionel Messi und Italiens Andrea Pirlo sind die Gesichter riesiger Kampagnen. Im Schatten der Superstars hat es allerdings auch ein mittelständisches Unternehmen aus dem baden-württembergischen Balingen auf die ganz große Bühne geschafft.

Uhlsport, ein Hersteller, der eigentlich für seine Torwarthandschuhe bekannt ist, rüstet die Nationalmannschaft des Iran mit Trikots aus. Heute Abend wird das Logo erstmals weltweit über die Fernsehbildschirme flimmern – beim ersten Gruppenspiel des Landes gegen Nigeria. „Eine Fußball-WM ist das größte Sportereignis der Welt, Milliarden Menschen schauen zu“, sagt Marketingexperte Peter Rohlmann. Einen besseren Werbeplatz als die Spielerbrust, gibt es für einen Sponsoren kaum. Und dass Uhlsport als „Sportartikelhersteller aus der zweiten Reihe“ mitspielen dürfe, sei schon ein Erfolg für das Unternehmen, so Rohlmann.

Der Ausrüstervertrag mit dem Iran ist ein Glücksfall, den sich Uhlsport hart erarbeitet hat. In der ersten persischen Fußball-Liga rüstet das Unternehmen gleich mehrere Mannschaften aus. Über einen Handelspartner schaffte man es nun auch noch auf das Trikot der Nationalmannschaft und damit auf die internationale Bühne. Das Unternehmen, das lange rote Zahlen schrieb, erwirtschaftet seit ein paar Jahren sogar wieder Gewinne. Als Trikotsponsor der deutschen Handball-Nationalmannschaft oder bei Zweitligisten wie dem 1. FC Kaiserslautern sichert sich das Unternehmen seine Nischen. Mit einem Umsatz von 60 Millionen Euro sind die Balinger aber immer noch ein kleiner Ausrüster.

Gerade das fehlende Prestige könnte für Uhlsport beim Sponsoring der Iraner zum Problem werden. Ausgerechnet Carlos Queiroz, der einst sogar Real Madrid trainierte, äußerte lautstarke Kritik an der Qualität des Trikots: Wegen der Shirts sei die Qualifikation für Brasilien in Gefahr gewesen. Als nächstes schimpfte Ersatztorwart Ali-Resa Haghigi. Er behauptete, sein WM-Shirt sei nach dem ersten Waschen geschrumpft – von Größe XL auf Größe M. Irans Verbandspräsident ging sogar noch einen Schritt weiter und sagte, man habe so wenige Trikots, da müsse man auf den klassischen Trikottausch verzichten.

Qualität ist eines der wichtigsten Kriterien für Sportartikelhersteller. Zweifel daran können sich die Hersteller nicht erlauben – besonders nicht, wenn sie eher unbekannt sind wie Uhlsport. „Das Unternehmen muss jetzt viel erklären und kann die Weltmeisterschaft nicht so positiv ausschlachten wie andere Sportartikelhersteller“, sagt Marketingexperte Rohlmann. Aber das baden-württembergische Unternehmen lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Trotz zahlreicher Mails iranischer Fans bleibt Manager Peter Kuhl gelassen. „Die Qualität unserer Lieferung war einwandfrei“, sagte er dem Handelsblatt. 

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„Was bestellt wurde, haben wir geliefert“

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