Ulrich Völkel
Elektronische Gehirne für Maschinen

Schon als Jugendlicher hat Ulrich Völkel seine Leidenschaft für die Elektronik entdeckt. An verregneten Wochenenden schraubte der heutige Chef des Münsteraner Unternehmens Völkel Mikroelektronik zum Beispiel gern an Radioempfängern herrum. Längst hat er sein Hobby zum Beruf gemacht: Als alleiniger Gesellschafter der Völkel GmbH führt der 55-Jährige einen hochspezialisierten Produzenten von elektronischen Steuerungen für hydraulisch betriebene Maschinen.

KÖLN. „Wir haben uns auf Outdoor-Maschinen spezialisiert“, erklärt Ulrich Völkel – und so sind seine Geräte gewissermaßen das Gehirn von Baggern und Seilkränen, Kartoffelrodern, Kehrmaschinen oder auch Riesenrädern. Bei letzteren sorgen hydraulische Pumpen für den Antrieb, und Völkels Steuerung lässt die Gondeln automatisch sanft an der Plattform halten, damit die Passagiere ein- und aussteigen können.

Ein weiterer Geschäftszweig von Völkel sind Verdichtungsmessgeräte für Vibrationswalzen und -platten. Mit den Walzen werden zum Beispiel frisch geteerte Straßen verdichtet: „Bauarbeiter müssen mehrmals mit der Walze über den Boden fahren, damit die Straße nachher auch hält“, erklärt Völkel. Mit seinem Messgerät, das nachträglich in die Walze eingebaut wird, könne man sich überflüssige Runden sparen: „Das Gerät zeigt direkt an, wenn die Dichte hoch genug ist.“

Die Münsteraner vertreiben ihre Produkte hauptsächlich in Deutschland, rund ein Drittel der Geräte werden in die EU geliefert. „Ganz selten schicken wir auch etwas nach Kanada oder Neuseeland“, sagt der Geschäftsführer.

Wer hinter dem Mikroelektronik-Spezialisten ein großes Unternehmen vermutet, liegt falsch. Bei Völkel geht es typisch mittelständisch zu: 19 Mitarbeiter entwickeln, produzieren und vertreiben die Geräte. Völkels Ehefrau kümmert sich um Marketing und Pressearbeit und stellt neue Leute ein. Und obwohl das Unternehmen schon 24 Jahre erfolgreich denselben Absatzmarkt bedient, sucht man vergeblich nach rasanten Wachstumszahlen: „Wir wollen auch in Zukunft gesund größer werden und nicht auf Gedeih und Verderb einen Großkonzern aus dem Boden stampfen“, sagt der Chef.

Der gebürtige Bockhorner hatte ohnehin nie vor, Unternehmer zu werden. Nach dem Abitur studierte Völkel Mathematik an der Universität Münster und arbeitete nebenbei in der Uni-Klinik als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Dort eignete er sich im Selbststudium sein Wissen über Mikroelektronik an: „Das Fach hat mich einfach interessiert.“ Nach dem Abschluss in Mathematik blieb Völkel sechs Jahre als Wissenschaftler in der Klinik und entwickelte medizinische Geräte weiter. Mit dem Mathe-Diplom und viel Erfahrung in der Tasche bewarb er sich schließlich beim Technikgiganten Siemens – und kassierte prompt eine Absage. Heute ist Völkel froh darüber: „Ich hätte den Schritt in die Selbstständigkeit sonst wahrscheinlich nicht gewagt.“

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