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Ulrich Walter: Der Naturkost-Pionier

Ulrich Walter ist ein Pionier der Biobewegung. Mit der Marke Lebensbaum stürmte er die Regale der Naturkostläden. Im Handelsblatt-Interview spricht er über Gentechnik und Öko-Milieus - und erklärt, warum er grundsätzlich keine Discounter beliefert.

Starker unternehmerischer Impuls: Ulrich Walter, Gründer von Lebensbaum. Quelle: Pressebild
Starker unternehmerischer Impuls: Ulrich Walter, Gründer von Lebensbaum. Quelle: Pressebild

Handelsblatt: Bio-Lebensmittel haben von dem BSE-Schock in Deutschland am meisten profitiert. Seit 2001 wuchs der heimische Biomarkt pro Jahr zweistellig. Doch in diesem Jahr wird er nach den Beobachtungen der GfK erstmals um sechs Prozent einbrechen. Ist der Bio-Trend vorbei?

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Ulrich Walter: Nein, überhaupt nicht. Vielmehr haben offenbar die Lebensmittel-Discounter, die viele Verbraucher aufgrund der attraktiven Preise zu Gelegenheitskäufern von Bioprodukten gemacht haben, ihr Angebot reduziert.

Ist der Lebensmittel-Discounter überhaupt die geeignete Einkaufsstätte für Bio-Produkte?

Als Aldi mit Bio anfing, mussten alle Konkurrenten nachziehen. Der Bedarf an biologisch hergestellten Lebensmitteln wurde deshalb schnell so groß, dass der deutsche Markt das nicht mehr hergab. Ein Großteil des Bio-Obstes und-Gemüses beispielsweise musste schließlich importiert werden.

War das für Sie kein Anreiz, Lieferant der großen Discounter zu werden? Schließlich betreiben Sie bei einem Jahresumsatz von etwa 30 Mio. Euro mit Bio-Lebensmitteln noch ein relativ übersichtliches Geschäft.

Nein. Wir beliefern grundsätzlich keinen Discounter, weil hier zwei unterschiedliche Geschäftsmodelle aufeinanderprallen, die nicht gut miteinander korrespondieren. Discounter fordern stets den niedrigsten Preis. Wir hingegen versuchen, immer eine überdurchschnittliche Qualität anzubieten, ohne die Preise erhöhen zu müssen. Wenn wir effizienter wirtschaften, kommt das in erster Linie der Preisstabilität zugute. Außerdem müssten wir Produktionskapazitäten aufbauen, die wir aufgrund des permanenten Preiswettbewerbs recht schnell wieder verlieren könnten.

Also können Sie Ihr künftiges Wachstum kaum aus dem Massenmarkt schöpfen, sondern müssen auf den traditionellen Bio-Käufer aus dem Hochschul-Milieu setzen?

Erfreulicherweise nimmt die Zahl der Käufer, die sich gesund ernähren wollen, auch außerhalb dieser Gruppe ständig zu. Wer überzeugt ist, dass Bio-Produkte für ihn das Richtige sind, wird sich möglicherweise anderweitig - beispielsweise bei Urlaubsreisen - einschränken. Doch auch wer weniger Geld hat, muss nicht darauf verzichten, sich vernünftig zu ernähren. Anfang der 60er-Jahre haben die Deutschen im Durchschnitt 40 Prozent ihrer Einkünfte für Essen verwendet, heute sind es gerade noch zwölf Prozent. Das zeigt doch, dass der Kauf von hochwertigen Lebensmitteln oft keine Frage des Geldes, sondern vielmehr eine Frage der Wertschätzung ist.

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