Umbau eines Familienunternehmens
Sonderrechte gibt es nicht

Geht es nach Unternehmer Dietmar Harting, wird der 69-Jährige noch ein paar Jahre an der Spitze seines Unternehmens zubringen. Der Gesellschafter der "Wilhelm Harting Mechanische Werkstätten", des führenden Herstellers von Steckverbindungen für die Industrie, bereitet seine Nachfolge vor, indem erst zunächst einmal die ganze Familie mitarbeiten lässt.

ESPELKAMP. "Ich bin nicht der Typ, um mit 70 Jahren aufzuhören." Dietmar Harting, Gesellschafter der Technologiegruppe Harting, fühlt sich noch fit. "Arbeit hält jung", sagt der 69-jährige Firmenchef. Er führt das 1945 als "Wilhelm Harting Mechanische Werkstätten" gegründete Unternehmen seit 1973 als Gesellschafter. Und Harting hängt an seinem Unternehmen. Der Ex-Präsident des Elektroverbandes ZVEI hat das Familienunternehmen in Espelkamp - tief in der Provinz zwischen Minden und Osnabrück - zu einem führenden Hersteller von Steckverbindungen für die Industrie mit 385 Millionen Euro Umsatz und 3 200 Beschäftigten ausgebaut.

Doch Harting hat nun die Nachfolge eingeleitet, auch wenn es, wie er betont, keinen festen Zeitplan für sein Ausscheiden gibt. Seine Tochter Maresa, 31, und sein Sohn Philip, 34, arbeiten seit kurzem als Vorstände im Unternehmen. Das aber nur befristet: Beide Kinder haben Verträge über fünf Jahre. Daneben gibt es bei Harting noch zwei familienfremde Vorstände. Und die Kinder sind nicht einmal am Gesellschaftskapital beteiligt. "Wir haben keine Sonderrechte", umschreibt Philip Harting die Situation. "Sie können die Chance nutzen, aber es ist noch zu früh für eine Entscheidung über die endgültige Nachfolge", urteilt Ehefrau Margrit Harting. "Der Übergang soll fließend sein", stellt Dietmar Harting klar. An der Firma werden sie erst im Erbfall beteiligt. Auch jetzt noch trägt der Seniorchef als persönlich haftender Gesellschafter die finanzielle Verantwortung. "Ich hafte voll bis zum letzten Hosenknopf", betont Dietmar Harting.

Auch Tom Rüsen, geschäftsführender Direktor des Wittener Instituts für Familienunternehmen an der Universität Witten-Herdecke, findet es richtig, Kinder nicht gleich als Gesellschafter zu installieren. Es sei besser, wenn sie sich erst als Führungskraft profilieren könnten. "Das vermeidet Konflikte", weiß Rüsen.

Zumal es in der Vergangenheit bei Harting schon mehrmals zu unvorhergesehenen Wechseln an der Firmenspitze kam. Nach dem frühen Tod des Firmengründers Wilhelm Harting übernahm dessen Ehefrau Marie 1962 die Unternehmensführung. Die Söhne Dietmar und Jürgen Harting waren zu jung. Als Dietmar Hartings Bruder Jürgen 1973 überraschend mit nur 32 Jahren starb, stieg Dietmar Hartings fünf Jahre jüngere Frau Margrit als Geschäftsführerin mit ins Unternehmen ein. Denn das Führungsprinzip bei Harting ist: Es sollen immer zwei Vertreter der Familie in der Geschäftsführung sein.

"Mein Eintritt ins Unternehmen war am Anfang so nicht vorgesehen", erinnert sich Margrit Harting. "Ich habe mich an der Schule beurlauben lassen." Die gelernte Diplom-Handelslehrerin ist mit knapp 26 Prozent am Kapital beteiligt. Sie verantwortet als generalbevollmächtigte Gesellschafterin das Personalwesen, Werbung und soziale Belange, aber auch Qualitätswesen und externe Kommunikation. "Ich wollte nicht als Ehefrau begeistern", sagt Margrit Harting.

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