Umbau
TV-Hersteller Loewe sucht seine Zukunft

Jahrelang hat das Unternehmen aus Franken wichtige Trends verpasst. Der neue Chef greift bei der angeschlagenen Marke durch. Unternehmensberater durchforsten seit Monten jede Abteilung und Mitarbeiter sollen in Zukunft schneller auf Trends reagieren.
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MÜNCHEN. Schluss mit fränkischer Gemütlichkeit: Der neue Loewe-Chef Oliver Seidl will die Traditionsmarke aus Kronach wieder zu einem Vorreiter der technischen Entwicklung machen. Dazu treibt Seidl ein Umbauprogramm namens "Fast Forward" voran. "Ziel ist es, mit fundamentalen Innovationen schneller am Markt zu sein", sagte der Manager dem Handelsblatt.

Seidl führt den TV-Gerätehersteller seit Ende Juli. Vorgänger Frieder Löhrer musste gehen, weil die wichtige Produktlinie "Individual" im Frühjahr nicht rechtzeitig in die Läden gekommen war. So hat das börsennotierte Unternehmen das lukrative Geschäft zur Fußball-WM zumindest teilweise verpasst - und ist im zweiten Quartal prompt in die roten Zahlen gerutscht.

Auch mit der neuen 3-D-Technik ist Loewe spät dran: Konkurrenten wie Sony, Samsung und LG hoffen zu Weihnachten auf reißenden Absatz. Die Oberfranken hingegen werden erst Anfang kommenden Jahres in den Markt einsteigen. Kein Wunder also, dass Seidl mehr Tempo von seinen Mitarbeitern verlangt.

Deshalb bleibt bei Loewe kein Stein auf dem anderen. Unternehmensberater durchforsten seit Monten jede Abteilung. "Wir überprüfen unser gesamtes Geschäft. Nur die Positionierung als Premiummarke steht nicht zur Diskussion", unterstreicht Seidl.

Erste Ergebnisse gibt es bereits: Um Verzögerungen wie im Frühjahr künftig zu vermeiden, werden jetzt die Zulieferer viel stärker unter die Lupe genommen. Damals hatte ein Chiphersteller die Produktion eines für Loewe entscheidenden Bauteils aus finanziellen Gründen eingestellt.

Auch intern ändert sich einiges: Um schneller zu werden, bekämen die Projektmanager im Haus jetzt größere Kompetenzen, so Seidl. Zudem soll die Zusammenarbeit der einzelnen Bereiche verbessert werden. Dabei wird eisern gespart: Bis Ende kommenden Jahres gilt ein Einstellungsstopp, um die Kosten zu senken.

Gnadenlose Verdrängung

Der Manager weiß genau, dass sich Loewe auf dünnem Eis bewegt. Im Vergleich zur Konkurrenz ist das Unternehmen klein, da wiegen Fehler besonders schwer. Im zweiten Quartal kam die Firma auf einen Umsatz von 74 Mio. Euro. Die Konkurrenz aus Asien setzt das in einem Tag um.

Loewe hatte sich in den vergangenen Jahren gerade erst von der letzten Krise erholt. 2003 ist die Firma fast untergegangen. Damals stieg die Konkurrenz auf Flachbild-Geräte um, Loewe hinkte hinterher, hatte zu wenige Apparate im Angebot. Das edle Design war auf einmal nicht mehr gefragt, hohe Verluste liefen auf. Die Rettung war der Einstieg des japanischen Wettbewerbers Sharp, der heute noch Großaktionär ist.

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  • ich kann dem neuen Chef nur eines raten: Schicken Sie die Unternehmensberater nach Hause ! Und lassen Sie sich nur von davon leiten: Die Produktion ausrichten auf ein deutsches Qualitätsprodukt, damit werden Sie auch in Zukunft ihre Kunden finden, denn die zahlen gerne etwas mehr. Denn letztendlich ist Qualität am billigsten!

  • Loewe ist in Punkten Qualität, Haltbarkeit und Design spitze. Für solch ein Gerät verzichte ich persönlich gerne auf irgendwelche anderen Aktivitäten.

    ich würde wetten, das diese Unternehmensberater selber nur diesen "Masse statt Klasse-Schrott" zu Hause stehen haben...

  • ich kann die Probleme bei Loewe nicht beurteilen und habe schon gleich gar nicht Lösungen dafür. Aber bei einem bin ich mir sicher: wenn jetzt Unternehmensberater dort herumspringen, wird's nicht mehr lange dauern, bis Loewe Geschichte ist...

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