Umfrage: Vier von fünf Firmen lehnen Umstellung ab
Mittelstand scheut internationale Bilanzstandards

Deutsche Mittelstandsunternehmen mögen sich noch nicht so recht mit den internationalen Rechnungslegungs-Regeln der IFRS (International Financial Reporting Standards) anfreunden. Das ist das Ergebnis einer Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC).

HB FRANKFURT/M. Danach haben sich zwar schon 60 Prozent der 600 befragten Mittelständler mit dem Thema IFRS auseinander gesetzt, acht Prozent bilanzieren bereits nach den internationalen Regeln, und elf Prozent planen ihre Anwendung. Doch die Ablehnungsquote ist hoch: Vier von fünf Mittelständlern sehen derzeit keinen Anlass, ihre Rechnungslegung zu ändern. Sie müssen es größtenteils auch nicht – die Umstellungspflicht bis spätestens 2007 gilt nur für kapitalmarktorientierte Unternehmen, also Firmen, die börsennotiert sind oder andere Wertpapiere – zum Beispiel Anleihen – ausgegeben haben.

Geht es nach den Vorstellungen des DIHK, bleibt es auch dabei: „Die IFRS müssen für kleine und mittelgroße Unternehmen freiwillig bleiben“, fordert Axel Nitschke, Chef-Volkswirt des Handelskammertags. Die Umfrage habe ergeben, dass aus Sicht der Mittelständler die Nachteile der IFRS noch überwiegen, obwohl sich schon 58 Prozent mit dem Thema beschäftigt haben.

Als höchste Hürde nennen die Unternehmen (79 Prozent) den Umstellungs- und Folgeaufwand – immerhin geht es nicht nur um eine Modifizierung des bisherigen Rechnungswesens, sondern um ein völlig neues System. Besondere Sorge bereitet die Bereitstellung kundigen Personals. Jedes zweite Unternehmen befürchtet zusätzliche interne Personalkosten oder gar Umstrukturierungen des Personals. Diese Sorge kann PwC-Vorstand Norbert Winkeljohann nur bestätigen: „Noch bringen die Hochschulen viel zu wenige Kräfte mit IFRS-Ausbildung hervor. Wir selbst haben in diesem Bereich spürbare Abgänge in Richtung Wirtschaft.“

Was mittlere Unternehmen ebenfalls abschreckt, ist der Zwang zur doppelten Bilanzierung. Neben der IFRS-Konzernbilanz ist auf absehbare Zeit noch der Einzelabschluss der Muttergesellschaft nach deutschem HGB notwendig. Und nicht zuletzt ist es die ungeheure Komplexität der bereits heute rund 2 000 Seiten umfassenden IFRS-Regeln, die Mittelständler (48 Prozent) zögern lässt. Winkeljohann: „Tatsächlich gibt es eine Menge Regeln, die für diese Unternehmen überhaupt nicht anwendbar sind.“

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