Umsatz- und Gewinnplus
Sage lässt SAP-Konkurrenz kalt

Der britische Softwareanbieter Sage hat von der Mittelstands-Initiative des Rivalen SAP bislang kaum etwas zu spüren bekommen. Der Umsatz des Spezialisten für Mittelstandssoftware wuchs im abgelaufenen Geschäftsjahr vielmehr um fast ein Drittel – weitere Zukäufe in Deutschland sind geplant.

FRANKFURT. Sage steigerte seinen Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr (zum 30.09.) um fast ein Drittel auf 1,713 Mrd. Euro. Der Vorsteuergewinn legte um 20 Prozent auf 419,1 Mill. Euro zu. "Auch das neue Jahr ist gut gestartet, alle Regionen entwickeln sich wie erwartet“, sagte Vorstandschef Paul Walker am Mittwoch.

Sage ist spezialisiert auf Software zur Steuerung von Unternehmen im kleineren und gehobenen Mittelstand. Das Unternehmen startete in England als Anbieter von Buchhaltungsprogrammen, ist nach dem Börsengang aber durch zahlreiche Zukäufe massiv gewachsen. Heute zählt Sage zu den führenden Softwarefirmen für den Mittelstand.

Damit bewegen sich die Briten exakt in dem Feld, in das SAP mit ihrem neuen Produkt "Business By Design“ hinein will. Die Walldorfer haben die Software mit großem Aufwand vor einigen Wochen in den USA vorgestellt. Sie soll über das Internet als Service (Software as a Service – SaaS) angeboten werden, kann also über das Internet genutzt und muss nicht vor Ort installiert werden. Das Produkt soll im kommenden Frühjahr auf den Markt kommen.

Die umfassende Werbekampagne und das ausgiebige Marketing für "Business By Design“ scheint bislang allerdings keinen Einfluss auf die Investitionsentscheidungen der mittelständischen Kunden gehabt zu haben. Das signalisieren auch die Sage-Zahlen im SAP -Heimatmarkt Deutschland. "Wir sind organisch um zehn Prozent gewachsen. Das ist mehr als der Marktdurchschnitt“, sagte Peter Dewald, der Deutschlandchef von Sage, dem Handelsblatt. Bedingt durch Zukäufe, zuletzt hatte Sage den Mittelstandsanbieter Bäurer gekauft, betrug das Umsatzplus insgesamt sogar 36 Prozent auf 79,7 Mill. Euro.

Treiber des Wachstums war nach Angaben von Dewald zum einen die Mehrwertsteuererhöhung. "Hier mussten die Kunden handeln und neue Software kaufen“, sagte er. Gleichzeitig habe sich das Thema Kundenmanagement (CRM) zu einem Renner entwickelt. Sage hatte vor einiger Zeit ein neues Produkt vorgestellt. "Wir sind mit CRM zweistellig gewachsen. Das zeigt: Im unteren aber auch im gehobenen Mittelstand ist ein starker Bedarf nach solchen Produkten da“, sagte Dewald.

Analysten sehen für Firmen wie Sage auch künftig ein großes Wachstumspotential. Betrug das weltweite Marktvolumen für Firmensoftware im Jahr 2005 bereits 28 Mrd. Dollar, soll es nach Berechnungen der Marktforscher von IDC bis 2009 auf rund 40 Mrd. Dollar steigen. SAP -Chef Henning Kagermann nennt sogar ein Marktvolumen von mehr als 70 Mrd. Dollar.

Sorgen, dass SAP den Sage-Wachstumskurs mit seiner neuen Internet-Lösung "Business By Design“ bremsen könnte, hat das Management nicht. Dennoch marschieren auch die Briten vorsichtig in Richtung Internet. So gibt es seit kurzem die Kundenmanagement-Software CRM als Internet-Produkt. Weitere Software-Lösungen sollen aber zunächst nicht folgen. "Wir haben festgestellt, dass es speziell bei CRM den Bedarf an einem Internet-Angebot gibt. Darüber hinaus ist er aber nach unserer Auffassung sehr gering“, begründete Dewald die eher verhaltenden Schritte auf dem SaaS-Terrain.

Dewald fürchtet auch nicht, dass SAP den Briten Vertriebspartner abwirbt – obwohl die Walldorfer für das Mittelstandsprodukt neue benötigen. "Wir wissen, dass einige unserer Partner angesprochen wurden. Sie sind natürlich ein Objekt der Begierde für andere. Aber bislang haben wir keine größeren Verluste zu vermelden“, sagte Dewald.

Der Deutschlandchef kündigte an, hier zu Lande auch künftig Firmen kaufen zu wollen. "Es gibt laufend Gespräche. Da wir aber in der Regel Privatfirmen kaufen, ist das nicht planbar“, sagte Dewald.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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