Umsatzrückgang
Boge investiert antizyklisch in Kapazitäten

Der Bielefelder Kompressorenhersteller verbucht seit Mai wieder mehr Aufträge. Dennoch droht ein Umsatzminus von 20 Prozent – das wäre ein Novum für das Familienunternehmen. Boge kommt bislang ohne Entlassungen aus und zeigt sich optimistisch: Das Unternehmen investiert trotz Krise.
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BIELEFELD. Der Kompressorenhersteller Boge aus Bielefeld sieht den Tiefpunkt der Krise überwunden. „Seit Mai geht es wieder aufwärts“, sagte der geschäftsführende Gesellschafter Wolf D. Meier-Scheuven dem Handelsblatt. „Der krisenhafte Zustand ist überwunden.“

Im Januar lag der Auftragseingang des Familienunternehmens noch rund 40 Prozent unter dem Stand des Vorjahresmonats. Aber im November übertraf Boge bereits wieder den allerdings sehr niedrigen Stand des Vorjahresmonats um zehn Prozent. Für 2009 erwartet das Traditionsunternehmen dennoch nur einen Umsatz von 80 Millionen Euro. In dem sehr guten Vorjahr waren es 105 Millionen Euro.

Das wird sich auf den Gewinn auswirken. „Wir hoffen, rote Zahlen vermeiden zu können“, sagt Geschäftsführer Rolf Struppek, ohne konkrete Zahlen zu nennen. „Der Gewinn war schon mal besser“, heißt es lediglich. Ein Verlust wäre ein Novum für das Familienunternehmen.

Der gelernte Schlosser Otto Boge begann 1907 mit der Montage von Türschlössern. Nach einem kurzen Ausflug in die Produktion von Motorrädern half 1925 ein Gesetz, das es verbot, Vollgummireifen einzusetzen. Boge entwickelte Geräte zum Aufpumpen von Reifen – die ersten Kompressoren – und hatte Erfolg damit.

Heute fertigt das Unternehmen im Stadtteil Jöllenbeck vor den Toren Bielefelds mit Elektromotoren betriebene stationäre Kompressoren für den Einsatz in der Industrie. Meier-Scheuven führt das Unternehmen als Vertreter der vierten Generation.

Weniger Leiharbeiter, aber noch keine Entlassungen

Trotz des Umsatzeinbruchs ist Boge bisher ohne Entlassungen ausgekommen. Zwar wurde der Einsatz von Leiharbeitern kräftig reduziert, die Zahl der Mitarbeiter liegt aber mit 546 fast auf dem Stand des Vorjahres von 550. Auch „ein paar Monate“ Kurzarbeit hat es gegeben, seit Oktober sei dies aber vorbei, sagt Struppek. Dafür hat Boge die Abteilungen Service und Vertrieb verstärkt.

Ende August hat Boge eine große Halle für Fertigung, Logistik und Verwaltung in Betrieb genommen. Die Entscheidung für die Investition im Volumen von zehn Millionen Euro einschließlich der Maschinen fiel bereits in den guten Zeiten Ende 2007. Boge hat sie aber trotz der Krise durchgezogen. „Wir handeln antizyklisch und bereiten uns auf den Aufschwung vor“, sagt Meier-Scheuven.

Allerdings wird der Rekordumsatz von 2008 wohl nicht so schnell wieder erreicht. Besonders große Maschinen sind derzeit nicht gefragt, weshalb die neue Halle, in der diese großen Kompressoren gefertigt und getestet werden sollen, noch recht leer aussieht. Dafür springt die Nachfrage nach kleineren Geräten im In- und Ausland wieder an, auch weil die Läger im Großhandel inzwischen leer sind und wieder aufgefüllt werden müssen.

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