Umweltzonen
Partikelfilter bleiben Ladenhüter

Trotz Umweltzonen in den Städten haben viele Spediteure ihre Feinstaubschleudern bisher noch nicht mit Partikelfiltern nachrüsten lassen. Derzeit können sie noch ohne grüne Plakette aber dafür mit Ausnahmegenehmigungen in diesen Gebieten fahren. Viele Unternehmen hoffen insgeheim, dass der Nachrüstungs-Kelch gänzlich an ihnen vorüberzieht.

KÖLN. Wenn er Pech hat, kann Martin Wolf schon in wenigen Monaten nicht mehr mit seinen Wagen in die Kölner Innenstadt fahren. Ein herber Schlag, zählt das Einzelunternehmen Wolf Transporte und Kurierdienste aus Frechen doch auch große Firmen aus dem nahe gelegenen Köln zu seinen Kunden. Weite Teile der Kölner Innenstadt sind jedoch seit Jahresbeginn eine so genannte Umweltzone. Dort dürfen bald nur noch Fahrzeuge mit geringem Feinstaub-Ausstoß fahren, die mit einer grünen Umweltplakette ausgezeichnet wurden. Und bei mehr als der Hälfte von Wolfs insgesamt zehn Autos und Kleintransportern hat es nur zu einer roten Plakette gereicht – der schlechtesten, die Autobesitzer bekommen können.

„Die Wagen nachzurüsten wäre zu teuer“, sagt Wolf. Bisher kann er noch mit einer Ausnahmegenehmigung in die inneren Bezirke der Domstadt fahren. Ende des Jahres läuft diese allerdings aus, verlängern kann er sie dann nur noch um ein weiteres Jahr. Was danach kommt, darüber hat sich Wolf bisher dennoch kaum Gedanken gemacht. „Ich rechne mit dem Schlimmsten und hoffe das Beste“, sagt der Unternehmer mit zur Schau gestellter Ruhe.

So wie Wolf reagieren derzeit viele Logistiker mit Feinstaubschleudern im Fuhrpark auf die Umweltzonen: Erst einmal mit einer der zahlreichen Ausnahmegenehmigungen weitermachen. Was dann kommt, wird man sehen. Das große, von Politikern gewünschte Nachrüsten mit Partikelfiltern bleibt bisher jedenfalls aus.

Auch emissionsarme Lastwagen schaffen Logistik-Unternehmen offenbar nicht in Zahl neu an. Der Berliner Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) verkündete im Juni, dass kein einziges Unternehmen die zinsgünstigen Kredite der Investitionsbank Berlin genutzt habe, um seinen Fuhrpark auf den neuesten Stand zu bringen. Für Kritiker ein Beleg dafür, dass die Plaketten-Kontrollen zu lasch und die Ausnahmeregelungen kontraproduktiv sind.

Zudem fordern sie, die Umweltzonen schon früher nur noch für Wagen mit grüner Plakette zugänglich zu machen, nicht erst noch einige Zeit für alle Autos mit Plakette, egal welcher Farbe die Aufkleber haben. Während Logistik-Lobbyverbände bei solchen Forderungen Alarm schlagen, warten viele Unternehmen ab in der Hoffnung, dass der Nachrüstungs-Kelch doch noch an ihnen vorübergeht.

Zu denjenigen, die den Nutzen der Umweltzonen generell anzweifeln, zählt der stellvertretende Geschäftsführer des Verbands Verkehr und Logistik Berlin und Brandenburg (VVL) Klaus-Dieter Martens. Der VVL hat die Stadt Berlin bereits dazu aufgefordert, die für 2010 geplante zweite Stufe der Berliner Umweltzone zumindest zu verschieben. Im Jahr 2010 sollen nur noch Fahrzeuge mit grüner Plakette in die Innenstadt dürfen.

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