Underberg: Der kleine, große Pionier des Marketings

Underberg
Der kleine, große Pionier des Marketings

Nachahmer gibt es viele, doch der Magenbitter aus Rheinberg besticht durch seinen großen Wiedererkennungswert. Im Jahre 1946 führt Emil Underberg die legendäre 2-cl-Portionsflasche ein - und macht den Spirituosenhersteller zu einem Symbol des Wirtschaftswunders. Den Erfolg des Getränks verdankt Underberg vor allem seiner Kämpfernatur.

RHEINBERG. Dies ist ein kleiner, sehr persönlicher Beginn. Es muss in den Tagen gewesen sein, als Willy Brandt den Kanzlersessel erklomm. Ein Pennäler, weihnachtlich gestimmt, entdeckt auf dem Wohnzimmertisch ein winziges Gefäß, das außerordentlich keck verpackt zu sein scheint. Er denkt an ein Versehen, er löst das verwickelte braune Papier, dreht den grünen Deckel auf und führt das Ding, das sich als braunes Fläschchen entpuppt und schnell verwegene Düfte verströmt, langsam zum Munde. Nur ein winziger Schluck, dann die bitterste Explosion aller Zeiten, jener unbeschreibliche erste Kontakt mit dem Elixier aus Nelke, Eisenkraut und weiß der Teufel was. Auch das war das Werk des Emil Underberg.

Der Erfinder der Portionsflasche ist im Jahre 1904 in Rheinberg am Niederrhein geboren, als elftes Kind von zwölfen der Eheleute Underberg, sehr bald ist klar, dass auch Emil, wie zwei seiner Brüder, kleinwüchsig ist. Bis heute grenzt es an ein Wunder, dass aus diesem Mann trotz seines Andersseins eine der großen deutschen Unternehmerpersönlichkeiten wurde. Oder vielleicht gerade deshalb?

1924, es ist das Jahr, in dem Thomas Manns Zauberberg erscheint, macht Emil Underberg Abitur, er beginnt ein Studium der Philosophie in München, doch seine schwächliche Konstitution hat fast lebensbedrohliche Folgen. Und so macht sich der Student Emil Underberg wie weiland Thomas Manns Held Hans Castorp per Eisenbahn auf in die Schweizer Berge, sein Ziel ist ein Sanatorium hoch über dem Genfer See. Emil Underberg ist gerade 21 Jahre alt, 1,40 Meter groß und ganze 24 Kilogramm schwer. Niemand glaubt, dass diesem kleinen Schwächling ein langes Leben, geschweige denn eine große Unternehmerkarriere winkt. Nicht nur seine Eltern sollten sich irren.

Als der Jüngling ein Jahr später an den Unternehmenssitz der prosperierenden Spirituosenfabrik zurückkehrt, ist er 48 Kilo schwer und, wenn man so will, ein gestandener junger Mann. Sein Vater schickt ihn zum Volontariat zu einer Partnerfirma nach Hamburg, die mit Kräutern aus Übersee handelt. Emil Underberg verdient sich erste Sporen, 1928 tritt er als Prokurist in das Unternehmen ein, welches sein Großvater Hubert 1846 gegründet hat.

Schnell entwickelt er seine große Leidenschaft für die Marke, die seinen Namen trägt. Emil Underberg wird zu einem der Pioniere des Marketing in Deutschland, keiner vor und vielleicht nach ihm hat das , was heute Markenkern genannt wird, derart vehement verteidigt wie der Spirituosenkönig aus Rheinberg.

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