Mittelstand
Ungeliebte Frische-Aufkleber

Die Idee ist bestechend: Ein Farbstoff auf der Packung hellt auf, wenn er zu warm wird. Um Lücken in der Kühlung sichtbar zu machen, bietet die Ciba-Spezialitätenchemie AG aus Basel zusammen mit dem israelischen Verpackungshersteller Freshpoint seit zwei Jahren die so genannten On-Vu-Etiketten an – doch Handel und Industrie meiden die Etiketten.

KÖLN. Fleisch- und Wurstwaren haben seit den Gammelfleisch-Skandalen ein schlechtes Image. In vielen Fällen hatte die Kühlkette Lücken: Das Fleisch wird irgendwann im Liefer- und Verkaufsprozess zu warm, das Mindesthaltbarkeitsdatum verschiebt sich nach vorne, aber die Verbraucher wissen es nicht. Um solche Lücken in der Kühlung sichtbar zu machen, bietet die Ciba-Spezialitätenchemie AG aus Basel zusammen mit dem israelischen Verpackungshersteller Freshpoint seit zwei Jahren die so genannten On-Vu-Etiketten an. Bisher mit mäßigem Erfolg. Denn weder Handel noch Lebensmittelhersteller können sich so recht für die Kontroll-Aufkleber begeistern.

Die Idee ist bestechend: Ein Farbstoff auf der Packung hellt auf, wenn er zu warm wird. Eine Farb-Skala zeigt an, wie lange und bei welchen Temperaturen die Ware transportiert und gelagert wurde. „Das Interesse an On Vu ist ziemlich groß“, sagt On-Vu-Marketingmanager Martin Angehrn. Eine portugiesische Supermarktkette wolle die Etiketten jetzt einführen, und auch Ketten in den USA, Mexiko, Frankreich und Großbritannien hätten Interesse geäußert. In Deutschland hat die Einzelhandelskette Edeka damit begonnen, die Etiketten zu testen.

On-Vu ist nicht das erste Produkt dieser Art auf dem Markt. Ähnliche Lösungen gibt es bereits seit Jahren - doch Hersteller und Händler fürchten die Kontrolle. „Der Handel hat wenig Interesse daran, gegenüber dem Konsumenten zu offenbaren, was mit dem Produkt passiert ist“, sagt Verpackungs-Experte Karsten Beutner von der Berliner Unternehmensberatung Berndt& Partner. Temperatur-Kontrollsysteme an ganzen Paletten oder im LKW-Innern sind auf dem Weg von der Fabrik in den Supermarkt zwar gang und gäbe. Aber Kontrolletiketten an einzelnen gekühlten Produkten, sichtbar für die Kunden, sind Herstellern und Händlern dann offenbar zu viel der Transparenz. „Dabei wird die Kühlkette häufiger unterbrochen, als man denkt“, unkt Beutner.

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