Ungeregelte Nachfolge einer der größten Risikofaktoren
Gastbeitrag: Keine Finanzierung ohne geregelte Nachfolge

Die Unternehmensnachfolge ist eine der zentralen Herausforderungen für Familienunternehmen. Und sie gehört zu den wichtigsten Kriterien bei der Beurteilung der Bonität durch die Kreditgeber. Allerdings wird dies von vielen mittelständischen Unternehmen gerade im Hinblick auf das Bankgespräch nicht ernst genommen.

HB DÜSSELDORF. Nehmen wir das Beispiel eines westfälischen Fleischwarenherstellers, der sein internationales Vertriebsnetz nur über Bankkredite aufbauen konnte. Schon die Frage, ob man den Sohn des fast 70-jährigen Gründers und Inhabers mit in das Gespräch nehmen könnte, erregt sein Misstrauen. Nicht, dass der Unternehmenschef seinen Sohn nicht ständig lobend hervorheben würde. Im Gegenteil, er ist der Stolz der Familie. Aber das Bankgespräch wird als Chefsache betrachtet.

Doch wir gehen noch einen Schritt weiter: „Ihr Sohn sollte gegenüber der Bank darstellen, wie er die Zukunft des Unternehmens sieht.“ Der Widerstand ist hartnäckig. „Meinetwegen kann er mitkommen, aber sagen braucht er nichts.“ Dabei wird die strategische Planung längst vom designierten Nachfolger entworfen. Erst nach mehreren Besprechungen willigt der Inhaber ein. Der Erfolg ist deutlich. Die Bank gewichtet Management und Nachfolge mit fast 15 Prozent. Das Rating verbessert sich durch die sichtbare Nachfolgeregelung und die positiven Zukunftschancen um zwei Schritte nach oben. Und der Inhaber erzählt im ganzen Unternehmen, wie hervorragend sein Sohn das gemacht hat.



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Warum kommt der Nachfolge aus Sicht der Kreditgeber eine so hohe Bedeutung zu? Mit der Regelung der Nachfolge wird einer der größten Risikofaktoren im Unternehmen beseitigt. Dies gilt insbesondere bei Familiengesellschaften, deren Entwicklung oft mit einer einzigen Person verbunden ist. Dabei ist die Nachfolgeregelung nicht als lästige Pflicht zu betrachten, sie liegt vielmehr im ureigensten Interesse des Unternehmens. Laut aktuellen Zahlen des IFM in Bonn stehen jährlich 71 000 Unternehmensnachfolgen an. Grund genug für die Banken, diese Frage besonders ernst zu nehmen.

Die Nachfolge ist nicht nur für Unternehmer notwendig, die auf den Ruhestand zugehen. Sie betrifft auch alle Vorkehrungen, die für einen Notfall getroffen werden müssen: Einen Unfall, die Krankheit oder den frühzeitigen Tod des Unternehmers. Für die Kreditgeber ist entscheidend: Wie ist die Nachfolge dokumentiert? Kann der potentielle Nachfolger oder das vorgesehene Nachfolge-Team den Fortbestand des Unternehmens sichern? Zunächst sollte jeder Unternehmer über eine schriftlich fixierte Notfallvorsorge verfügen, damit im Ernstfall zum Beispiel ein weiterer Geschäftsführer die Unternehmensführung übernehmen kann. Erforderlich ist außerdem eine Vorsorgevollmacht für alle unternehmensbezogenen Rechtsgeschäfte, insbesondere für Gesellschafterbeschlüsse. Diese sollte beim Amtsgericht, einem Notar oder dem Hausanwalt hinterlegt werden. Zugriffsrechte und Passwörter für Computer und Datenbanken sollten dem Vertreter ebenfalls zugänglich sein. Je besser die interne Organisation und die schriftliche Dokumentation, desto schneller kann ein Vertreter die Geschäfte übernehmen. Dies kann für den Unternehmenserhalt von existenzieller Bedeutung sein.



Große rechtliche und unternehmerische Fallstricke drohen bei einer fehlenden oder unpassenden Nachfolgeregelung. Laut einer EMNID–Umfrage zum Thema Erbrecht haben nur weniger als ein Drittel aller volljährigen Deutschen eine letztwillige Verfügung getroffen. Dazu kommt, dass viele Testamente aus formalen Gründen unwirksam oder so veraltet sind, dass sie sich im Ernstfall als ungeeignet erweisen. Oft werden Testamente zum Beispiel nach einer Scheidung nicht angepasst. Die Folgen können verheerend sein. Liegt kein Testament oder Erbvertrag vor, gilt die gesetzliche Erbfolge. Und diese ist gerade für den Unternehmer oftmals die schlechteste Lösung. In der Regel entsteht eine Erbengemeinschaft. Die gemeinschaftliche Verwaltung des Nachlasses und die Aufteilung des unternehmerischen und privaten Vermögens birgt vielfältigen Konfliktstoff und führt häufig zu erheblicher Wertevernichtung.

Ein klassisches Beispiel haben wir gerade jüngst in München bei einem alteingesessenen Maschinenbauer erlebt: Die gesetzliche Vertreterin des gemeinsamen minderjährigen Kindes des sehr überraschend verstorbenen Inhabers fordert die Zwangsverwertung des Nachlasses. Da keine Einigung in der Erbengemeinschaft erzielt werden kann, muss ein Teil des Nachlasses zwangsverwertet werden. Ergebnis: Die Immobilien und ein Teil der Maschinen müssen versteigert werden. Das gesunde Unternehmen wird zerschlagen. Das Testament muss auf die Nachfolgeregelungen im Gesellschaftsvertrag abgestimmt sein. Kollidieren gesellschaftsvertragliche Regelungen und letztwillige Verfügung, dann tritt das Testament insoweit zurück. Der letzte Wille kann nicht verwirklicht werden.

Wichtig ist ein dynamisches Verständnis der letztwilligen Verfügung. Es sollte regelmäßig überprüft werden, ob sie den aktuellen Verhältnissen noch entspricht. Dies ist abhängig vom Alter der Beteiligten, vom Vorhandensein minderjähriger Kinder, „störenden“ Verwandten, von den Versorgungsbedürfnissen des Ehegatten. Hinzu kommen die jeweils aktuellen steuerlichen Rahmenbedingungen sowie der rechtlichen Struktur des Unternehmens und des Privatvermögens.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Verschärfung der Erbschaftsteuer zu befürchten

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