Unister-Neubau
Immobilienposse in Leipzig ruft Konkurrenten auf den Plan

Mit einem Neubau in der Leipziger Innenstadt will das Internet-Unternehmen Unister ein repräsentatives Gebäude für seine 700 Mitarbeiter bauen. Doch die Stadtoberen stellen sich quer und verweigern die Genehmigung - wegen einer Etage. Andere Städte wittern nun ihre Chance und wollen das Unternehmen abwerben.
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HAMBURG. Drei Meter sind der Anlass für einen handfesten Streit, der sich derzeit zwischen den Stadtoberen von Leipzig und dem Internet-Unternehmen Unister entspinnt. Seit Tagen tragen beide Seiten ihren Konflikt über ein 40 Mio. Euro-Bauvorhaben über die Lokalpresse aus, dabei wird der Ton zunehmend rauer und die Kreise, die er zieht, größer.

Hintergrund ist ein geplanter Neubau, den Unister-Chef und -Gründer Thomas Wagner für sich und seine 700 Mitarbeiter im Herzen der Stadt gegenüber der Oper errichten will. Derzeit ist die Belegschaft über sieben Gebäude in der Innenstadt verteilt. Da ständig neue Mitarbeiter hinzukommen, rechnet Wagner bis 2012 mit 1 400 Mitarbeitern, die er unter einem Dach unterbringen möchte.

Unister betreibt mehr als 20 Portale, darunter Reise-Websites wie ab-in-den-urlaub.de und Finanzportale wie geld.de und versicherungen.de, arbeitet nach eigenen Angaben profitabel und setzt einen dreistelligen Millionenbetrag um. Zuletzt hat der 31-jährige geschäftsführende Gesellschafter, der die Firma 2002 zusammen mit vier Freunden gründete, Travel24 gekauft, ein in Not geratenes börsennotiertes Reiseportal. 2008 übernahm er das Online-Kaufhaus shopping.de für knapp zwei Mio. Euro.

Mit derart viel Rückenwind wünscht sich der Jungunternehmer eine repräsentative Adresse in der historischen Innenstadt. Leipzigs Bürgermeister stimmten grundsätzlich zu und man einigte sich auf den Entwurf des Siegers eines Architekturwettbewerbs: Eine Kalkstein-Fassade mit zehn Geschossen, die sich in die historische Architektur der Umgebung eingliedert. An der Zahl der Stockwerke erregen sich nun die Gemüter: Unister hätte nun gerne elf Stockwerke, die Stadt möchte das damit drei Meter höhere Gebäude nicht zulassen. Denn damit würde es die benachbarten Gebäude deutlich überragen, heißt es im Stadtentwicklungs-Dezernat.

Ursprünglich sollte der Bau Ende 2008 beginnen, doch es liegt noch immer keine Genehmigung vor. Wegen einer Etage, die 200 zusätzliche Mitarbeiter beherbergen soll, sich wie Wagner ärgert. Via Lokalzeitung griff er den Oberbürgermeister an und beschwerte sich über „Desinteresse und Untätigkeit für die Schaffung neuer Jobs“. Burkhard Jung, SPD-Oberbürgermeister, konterte in einer Stellungnahme: „Auch für erfolgreiche Jungunternehmer gilt die Baugesetzgebung.“

„Die Stadt legt sich ins Zeug, um Firmen wie DHL, BMW oder Porsche zu gewinnen“, sagte Wagner dem Handelsblatt. „Eigengewächse werden leider überhaupt nicht unterstützt.“ Wagner stammt eigentlich aus Dessau, gründete Unister aber in Leipzig.

Während beide Parteien sich öffentlich streiten, wittern andere ihre Chance: Anfang der Woche hat Sachsen-Anhalt Unister eine Verlegung ins benachbarte Bundesland vorgeschlagen, samt Investitionsförderung. Auch die Wirtschaftsförderer von Schweinfurt haben bereits ihre Hilfe angeboten, weitere Offerten prüft Wagner derzeit. Mit Sachsen-Anhalts Wirtschaftsstaatssekretär will der Firmen-Chef schon heute Gespräche führen.

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