Universitäten kooperieren
Chinas Firmen fehlen die Nachfolger

Nicht nur in Deutschland, auch in China gibt es für viele Familienunternehmen keine Nachfolger. Um chinesische Unternehmer besser auszubilden und auf typische Probleme von Familienfirmen vorzubereiten, bauen Universitäten ihre Forschung und Weiterbildung auf diesem Feld aus.

DÜSSELDORF. Deutsche Familienunternehmen kennen das Problem: Es ist schwierig, einen Nachfolger aus der Familie zu finden, der die Firma in der nächsten Generation weiterführt. Doch mit dieser Herausforderung stehen sie nicht allein: In China dürfte die Nachfolgeproblematik nach Ansicht von Experten noch weitaus größere Dimensionen erreichen.

Im Reich der Mitte gibt es Schätzungen zufolge drei Millionen Privatunternehmen, 90 bis 95 Prozent der Gesamtzahl an Firmen. Viele von ihnen stehen derzeit vor dem Wechsel von der ersten auf die zweite Generation und sind damit in einer schwierigen Phase, wie Chen Ling, Professor am Institute of Family Business an der Zhejiang University, erläutert. Er prognostiziert, dass viele familiengeführte Unternehmen in China vor dem Aus stehen, wenn sie ihre Nachfolge nicht rechtzeitig regeln.

„Dafür brauchen sie aber einen tiefen Bewusstseinswandel“, sagte der chinesische Familienforscher am Freitag an der European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel bei Wiesbaden. Das European Family Business Center der privaten Hochschule hatte dort das diesjährige Treffen für Familienunternehmensexperten aus aller Welt ausgerichtet. Rund 160 Forscher kamen ins Rheingau.

Vier Faktoren machen die Nachfolgeproblematik in China so groß: Durch die Ein-Kind-Politik ist die Zahl möglicher Nachfolger stark eingeschränkt. Das wird noch dadurch verstärkt, dass Töchter bei der Nachfolge kaum Chancen haben. Zudem haben chinesische Familienunternehmen keinerlei Erfahrung beim Thema Nachfolge, die Privatfirmen sind gerade einmal 20 bis 25 Jahre alt. Viertens sind Fremdmanager noch unerwünscht, weil Chinesen traditionell wenig Vertrauen in Nicht-Familienmitglieder haben.

Um chinesische Unternehmer besser auszubilden und auf typische Probleme von Familienfirmen vorzubereiten, bauen Universitäten im Land ihre Forschung und Weiterbildung auf diesem Feld aus. Dazu nutzen sie die Kompetenz deutscher Hochschulen: Die EBS unterzeichnete einen Vertrag zur Zusammenarbeit mit der Zhejiang University. Gemeinsam mit Peter Jaskiewicz, Juniorprofessor an der EBS, will Cheng Ling 2008 ein Forschungsprojekt über Chinas Familienunternehmen starten.

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