Unternehmen halten an alten Finanzierungsgewohnheiten fest
Auf Auto-Zulieferer lauern viele Fallen

„Wir stellen fest, dass die meisten mittelständischen Automobilzulieferer falsch finanziert sind“, fasst Nikos D. Pallis, Deutschland-Geschäftsführer der Schweizer Unternehmensberatung Helbling Management Consulting, seine Erfahrungen zusammen.

Die Unternehmen hielten immer noch an den Finanzierungsgewohnheiten vergangener Zeiten fest: „Die Branche rechnete damals in Zyklen von sieben bis neun Jahren ohne größere Einbrüche, und sie orientierte auch ihre Kreditlinien am konstanten Geschäft.“

Inzwischen hat sich aber das Umfeld erheblich verändert. Die Zyklen der Modelle und Technologien haben sich spürbar verkürzt, der immer schärfere Wettbewerb lässt den Innovationsdruck bei Herstellern wie Zulieferern wachsen, und die Konjunkturausschläge sind stärker geworden. Außerdem nimmt die Modellvielfalt enorm zu: „Früher gab es eine Limousine und einen Kombi – heute gibt es um jedes Modell herum eine ganze Großfamilie von Derivaten“, erläutert Pallis.

Hinzu kommt eine neue Rollenverteilung zwischen Autohersteller und Zulieferer: „Der Hersteller versucht, die kapitalintensive Massenproduktion – etwa das Pressen von Blechteilen – bei sich zu halten, während er die Produktion kleinerer Losgrößen, die sich aus der Modellvielfalt ergibt, auf den Zulieferer verlagert.“ Außerdem überlässt er einen wachsenden Anteil der Produktentwicklung den Lieferanten.

Gleichzeitig gilt aber: „Die Autohersteller sind immer weniger bereit, Kostenbeiträge zur laufenden Entwicklung neuer Komponenten zu leisten. Sie wollen die Entwicklungskosten in den späteren Stückpreisen abgelten. Damit sind die Zulieferer gezwungen, nun auch die Entwicklung vorzufinanzieren“, beschreibt Pallis den Wandel. Immerhin stecken Zulieferer heute im Schnitt 5 % bis 6 % ihrer Umsätze in die Forschung und Entwicklung, einige erreichen sogar High-Tech-Größenordnungen von mehr als 10 % – in den bequemen Zeiten der verlängerten Werkbank kamen die meisten mit 2 % bis 3 % aus.

Die Konsequenz laut Pallis: „Komplexe Entwicklungsprojekte sind mit traditionellen Instrumenten allein nicht zu finanzieren. Die Ausrichtung eines Unternehmens auf eine neue Rolle im Markt erfordert deshalb in der Regel auch eine Neugestaltung der Finanzierungs-Struktur.“ Wer darauf verzichtet, geht ein hohes Risiko ein: „Bei unverändertem Finanzierungs-Modell kann jeder Großauftrag zum technischen K.O. führen.“

Die Folgen konstatierte erst vor kurzem eine Studie der Ernst & Young Corporate Finance (E&Y).

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