Unternehmen im Blick
Mit Innovationen durch die Krise

Etliche Mittelständler klagen über Auftragsmangel und Kreditklemme. Doch es gibt sie noch: Unternehmen, die der Rezession trotzen. Sie haben in guten Zeiten vorgebaut und schöpfen jetzt Kraft aus innovativen Technologien und hohen Finanzreserven. Gewinner der Wirtschaftskrise in der Nahaufnahme.

DÜSSELDORF. Stefan Grünhagel, Geschäftsführer des Autozulieferers Plastic Design aus Bad Salzuflen, freut sich gerade über neue Aufträge. Sein Branchenkollege Manfred Hirschvogel, Chef der Hirschvogel Automotive Group aus dem bayrischen Landsberg am Lech, investiert in neue Produktionsanlagen. Uwe Albrecht, Vorstand von City-Map-Internetmarketing aus Stade bei Hamburg - das Unternehmen konzipiert Web-Auftritte für kleine und mittelständische Unternehmen - erwartet in diesem Jahr ein Umsatzwachstum im zweistelligen Prozentbereich, erhöht die Zahl seiner Franchisepartner und plant die Expansion nach Österreich und in die Schweiz.

Ganz Deutschland leidet unter der Rezession. Ganz Deutschland? Nein, denn es gibt immer noch Mittelständler, die der Krise trotzen. Unternehmer wie Grünhagel, Hirschvogel und Albrecht besinnen sich gerade jetzt auf ihre Stärken und gehen in die Offensive: Sie investieren in Entwicklung und Produktion, bereiten sich auf ausländische Märkte vor oder machen sich startklar für Firmenübernahmen.

Natürlich sind die Zeiten hart. Mittelständler klagen über Auftragsmangel und Kreditklemme. Einst renommierte Unternehmen wie der Porzellanhersteller Rosenthal oder der Wäsche-Spezialist Schiesser gehen in diesen Tagen pleite. 33 000 bis 35 000 Unternehmensinsolvenzen erwartet die Wirtschaftsauskunftei Creditreform für 2009 - im vergangenen Jahr waren es knapp 30 000. Den bisherigen, traurigen Höhepunkt markiert das Jahr 2003, als 39 470 Unternehmen den Gang zum Insolvenzrichter antreten mussten. Von der aktuellen Krise sind vor allem mittelständisch geprägte Branchen wie Autozulieferer oder die Transport- und Logistikwirtschaft betroffen.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass viele familiengeführte Mittelständler für die Krise gut gerüstet sind. „Die meisten Familienunternehmen haben die vergangenen Jahre genutzt, ihre Strukturen zu modernisieren, ihre Prozesse zu verbessern und ihre Finanzen besser unter Kontrolle zu bringen“, sagt Brun-Hagen Hennerkes, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen.

Wilfried Schröder etwa, Geschäftsführer der Tecklenburg Gruppe aus dem norddeutschen Hambergen, stellt gerade neue Mitarbeiter ein. Sein Unternehmen ist breit aufgestellt, seine 70 Beschäftigten setzt er flexibel ein. Schröder handelt mit Mineralölen und Baustoffen, betreibt zudem Miet- und Pachtgeschäfte. Seinen Baustoffhandel erweitert Schröder gerade um ein Tiefbau-Sortiment: Inzwischen verkauft Tecklenburg auch Rohrsysteme, Kanaldeckel und Leitungen.

Am besten stehen in der aktuellen Schwächeperiode die Unternehmen da, die in guten Zeiten ihre Hausaufgaben gemacht haben, sagt André Knöll, Geschäftsführer der Hauck & Aufhäuser Finance Management in München, die sich auf die Finanzierungsberatung von Familienunternehmen spezialisiert hat: „Sie haben sich entschuldet, ihre Ertragsstärke nach vorne gebracht, ihre Eigenkapitalausstattung verbessert, verfügen über ein gutes Liquiditätspolster, nutzen unterschiedliche Finanzierungsquellen, sind mit mehreren Banken im Geschäft und betreiben eine fristenkongruente Finanzierung; das heißt: Ihr Anlagevermögen ist langfristig, ihr Umlaufvermögen kurzfristig finanziert.“

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