Unternehmen müssen sich auf Konkurrenz einstellen
Afrika-Geschäft nicht ohne den „China Faktor“

Die Ausweitung der chinesischen Aktivitäten auf dem Schwarzen Kontinent schreitet fort. Fast täglich gibt es neue Berichte über Mega-Deals chinesischer Staatskonzerne in der Region.

NAIROBI. Schwerpunkte sind weiterhin Rohstoffgewinnung und Infrastrukturprojekte, hinzu kommen auch verstärkt Bankenbeteiligungen. Nach wie vor wird die Frage von Nutzen und Wert der Fernostaktivitäten für den Kontinent kontrovers diskutiert. China hat innerhalb weniger Jahre traditionelle westliche Lieferländer überflügelt.

Es ist bemerkenswert, wie in letzter Zeit immer häufiger die VR China als "neue Macht" in Afrika in der dortigen regionalen Presse Negativschlagzeilen macht. Die Anlässe dazu sind mit dem zunehmenden chinesischen Engagement auf dem Schwarzen Kontinent zahlreicher geworden und betreffen eine Bandbreite von Beschwerden: von Qualitätsmängeln bei Waren und Leistungen über Produktfälschungen in großem Stil bis zu den Waffenlieferungen in Krisengebiete.

Daher sehen sich chinesische Diplomaten vor Ort häufiger gezwungen, Artikel und Stellungnahmen zu den Vorwürfen in der regionalen Presse zu veröffentlichen. Die Aufdeckungen zweifelhafter chinesischer Praktiken werden von westlichen Beobachtern und Wirtschaftsvertretern vor Ort zumeist mit Befriedigung registriert und nähren die Hoffnung, dass sich der so rasch erstarkte "China Faktor" im Afrika-Geschäft allmählich wieder abschwächen müsste. Sprich, dass die ungeliebte Konkurrenz aus Fernost langsam wieder zurückgedrängt werden kann.

Siegeszug der chinesischen Dollarmilliarden

Doch werden solche Hoffnungen bei einem Blick auf die Faktenlage erheblich gedämpft. Das Zauberwort ist natürlich: Geld. Der Siegeszug der chinesischen Dollarmilliarden in der afrikanischen Dritten Welt hält unvermindert an und wird begleitet von einer, verglichen mit westlichen Partnern, geschickt zurückhaltenden Diplomatie.

Dies entspricht dem von China proklamierten Grundsatz der "Nichteinmischung in innere Angelegenheiten". So werden die Geschäftsabschlüsse nicht vor der Kamera gemacht. Doch zeugt fast täglich der Blick in die regionale Wirtschaftspresse von den unverminderten Aktivitäten chinesischer Staatskonzerne in der Region.

Die Schwerpunkte der Operationen sind weiterhin Rohstoffgewinnung und Infrastrukturprojekte, hinzu kommen aber auch unter anderem Bankenbeteiligungen. So etwa hielt die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) durch die Fusion mit der Standard Bank aus Südafrika eine Beteiligung an der Standard-Bank Stanbic Bank-Tochter Kenya.

In Kenia haben die Chinesen ferner gerade den Zuschlag für den Ausbau des Flughafens Kisumu am Viktoriasee, ein Projekt von umgerechnet rd. 45 Mill. US$ erhalten. Laut Aussage der Kenya Airports Authority (KAA) hatte die China Overseas Engineering Group Corp. das niedrigste Gebot abgegeben und muss laut Kontrakt innerhalb von einem Monat nach Unterzeichnung mit den Arbeiten beginnen.

Milliarden-Deals im Kongo

Berichte über den Abschluss eines Milliarden-Deals liegen aus Kongo (Dem-Rep.) vor, wo sich die chinesischen Anbieter Bergbaukonzessionen gegen die großzügige Vergabe von Infrastrukturkrediten im Wert von rund 5 Mrd. US-Dollar sicherten. Gleichzeitig gaben Chinas Vertreter die Absicht bekannt, sich dort auch in weiteren Großvorhaben im Kraftwerks - und Hafenbau zu engagieren.

In Ostafrika steht Tansania als Hauptbergbauland der Region im Fokus der Chinesen. So wurde im April 2008 der tansanische Staatspräsident Jakaya Kikwete in Beijing empfangen, zur Bekräftigung der langjährigen bilateralen Kooperation, wie es hieß. Nach letzten offiziellen Angaben stieg das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern 2007 um rund 48 Prozent auf knapp 800 Mill. US-Dollar.

Dies entspricht dem Trend in Chinas Handel mit Afrika seit etlichen Jahren. So zeigt eine vergleichende Übersicht der chinesischen Lieferungen an ausgewählte afrikanische Länder aus dem Jahr 2006 überall zweistellige Wachstumsraten von bis 50 Prozent. Damit hat sich in praktisch allen Ländern die chinesische Volksrepublik innerhalb weniger Jahre als ernst zu nehmende Lieferkonkurrenz auf den regionalen Märkten etabliert. Bereits jetzt wird Deutschland als einer der traditionellen europäischen Lieferanten von den Konkurrenten aus Fernost überflügelt, zumindest was die reinen Zahlen angeht.

Allerdings gibt es erfahrungsgemäß hinsichtlich Art und Zusammensetzung der Lieferungen erhebliche Unterschiede, die nicht zuletzt gewisse Aufschlüsse über Wert und Nutzen der Produkte für das Abnehmerland geben können.

Deutschland liefert traditionell wie die übrigen europäischen Partner in erster Linie Ausrüstungen, Maschinen und Anlagen für eine breite Palette von Industriesektoren, ferner technologisch hochwertige Mess- und Laborgeräte sowie Pharmazeutika und Chemikalien. Solche Lieferungen sind Bedarfsgüter für die Industrie und stellen somit einen wichtigen Beitrag zur Erweiterung der inländischen Produktionsbasis in den Ländern dar.

Die chinesischen Lieferungen dagegen bestehen erfahrungsgemäß zu einem erheblichen Teil - genaue Aufschlüsselungen sind mangels Daten schwierig - aus Konsumgütern, und zwar zum großen Teil der billigen Art. Es wird in dem Zusammenhang oft argumentiert, erst die chinesischen Billigimporte haben dem einfachen Afrikaner den Zugang zu neuen Konsumgütern erschlossen. Kritiker dagegen verweisen auf die Zerstörung einheimischer Industriezweige durch die Billigkonkurrenz.

Hinzu kommt das wachsende Problem der Produktfälschungen, hauptsächlich aus China, die die afrikanischen Märkte zunehmend überfluten und in wichtigen Segmenten - wie Pharmazeutika - nach Expertenschätzung schon bis zu 50 Prozent des Gesamtangebots ausmachen.

So wird die Frage nach Nutzen und Schaden chinesischer Aktivitäten auf dem Schwarzen Kontinent häufig kontrovers diskutiert. Auf der Habenseite für die Afrikaner dürften vor allem die von Chinesen gebauten und finanzierten Infrastrukturvorhaben - Bau von Straßen, Gebäuden und Krankenhäusern etwa - stehen.

Allerdings fehlt hier ein wichtiger Faktor, der bei Initiativen westlicher Partner eine Selbstverständlichkeit ist: die Schaffung von Arbeitsplätzen und Einkommen für die lokale Bevölkerung. Erst sehr vereinzelt gibt es Informationen, die auf zukünftig restriktivere Handhabung bei Erteilung von Genehmigungen für chinesische Arbeiter hinweisen.

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