Unternehmenserfolg wächst mit Zahl der beteiligten Beschäftigten
Mitarbeiterbeteiligung rentiert sich

Seitdem die Gewinne bei den Unternehmen wieder sprudeln, gewinnen auch Mitarbeiterbeteiligungsprogramme an Attraktivität. Die Renditen, die Mitarbeiter erzielen können, liegen oft im zweistelligen Bereich.

ZÜRICH. Zu diesem Ergebnis kommt die Gesellschaft für innerbetriebliche Zusammenarbeit (Giz) aus dem fränkischen Forchheim, die seit 36 Jahren Firmen beim Aufbau von Beteiligungsmodellen berät. „Seit Ende des vergangenen Jahres spüren wir eine Erholung“, sagt Giz-Gesellschafter Stefan Fritz.

Damit ist offenbar eingetreten, was Ökonomen längst erwartet haben. In einer umfassenden Studie des Instituts für Wirtschafts- und Sozialforschung der Fachhochschule im nordschweizerischen Solothurn wird schon 2001 darauf verwiesen, dass die Zahl der Beteiligungsprogramme stark wachsen wird. Als Grund nennen die Schweizer Wissenschaftler das Eigeninteresse der Unternehmen: Die Studie zeigt, dass Unternehmen, die ihre Mitarbeiter beteiligen, beim Wachstum von Umsatz und Unternehmensgewinn besser abschneiden als andere Firmen. Die Fehlzeiten sinken, das unternehmerische Denken steige. Gleichzeitig mit dieser Studie allerdings kam vor vier Jahren der Einbruch an den Börsen, womit die Attraktivität der Mitarbeiterbeteiligungsprogramme zunächst rapide gesunken ist.

Inzwischen zeigt der Trend wieder nach oben. Das nach eigenen Angaben drittgrößte Biotechnikunternehmen der Welt, die Schweizer Serono aus Genf, war eins der ersten, das 2001 ein umfangreiches Beteiligungsprogramm installierte. Bei den Genfern sind nicht nur alle Mitarbeiter abhängig von ihrer Stellung im Unternehmen am Erfolg beteiligt. Es gibt darüber hinaus auch ein Aktienprogramm, das den Beschäftigten die Möglichkeit gibt, Anteile zum Vorzugspreis zu erwerben. Da der Rabatt 15 Prozent beträgt, sind zweistellige Renditen kein Problem.

Ein Jahr nach den Genfern entwickelte der Schweizer Pharmariese Roche im Jahr 2002 mit „Roche-Connect“ ein neues Beteiligungsprogramm. Inzwischen sind 23 Prozent der Mitarbeiter dabei. 8,5 Mill. Euro hat sich Roche das Programm bislang kosten lassen. Das Geld wird bezahlt, um Mitarbeitern den Kauf von Roche-Genussscheinen um 20 Prozent zu vergünstigen. Ein Roche-Angestellter, der im vergangenen Jahr monatlich einen gleich bleibenden Betrag ins „Connect“-Programm investiert hat, erzielte so 2004 je nach Währung einen Gewinn von bis zu 36 Prozent.

Gottlieb Keller, der das Programm bei dem Pharma-Unternehmen betreut, strebt eine noch höhere Zahl von Beteiligten an. „Was „Connect“ dem Unternehmen bringt, lässt sich nicht in Rappen und Franken ausdrücken. Es dient aber sicher dazu, Vertrauen in das Unternehmen zu schaffen“, sagt Keller. Das „Connect“-Programm nimmt sich allerdings vergleichsweise bescheiden aus gegen das „Longterm“-Programm, mit dem Roche seine rund 2 000 Führungskräfte am Unternehmenserfolg beteiligt. 33 Mill. Euro ließen sich die Basler dieses Programm bislang kosten – für Keller kein Indiz für überhöhte Managergehälter, sondern eher ein Signal an die Mitarbeiter, was bei Roche zu verdienen ist.

Die Basler liegen damit gut im Schnitt. Die Ökonomen aus Solothurn haben herausgefunden, dass Mitarbeiter durchschnittlich 1 300 Euro pro Jahr mit Beteiligungsprogrammen verdienen. Führungskräfte heben sich davon deutlich ab. Bei jedem zehnten von ihnen liegt der Bonus bei mehr als 25 000 Euro im Jahr.

Die Unternehmensberater der Giz warnen allerdings davor, nur die Glanzseiten der Beteiligungsprogramme hervorzuheben. Wenn es schlecht läuft, müssen auch Verluste einkalkuliert werden, was oft einen „gewissen Schock“ auslöse, berichtet Fritz. Wenn Mitarbeiter dann reihenweise ihre Beteiligungen versilbern, kann es für Unternehmen eng werden. Konzerne wie Roche sichern sich dagegen ab, indem sie unter anderem eine Mindesthaltefrist vorschreiben. „Unsere Beteiligungsprogramme“, sagt Keller, „sind langfristig angelegt.“

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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