Unternehmensfinanzierung: „Das tut man nicht, wenn man für drei Euro Verstand im Kopf hat“

Unternehmensfinanzierung
„Das tut man nicht, wenn man für drei Euro Verstand im Kopf hat“

Warum sich Commerzbank und Deutsche Bank am Mittelstand die Zähne ausbeißen, zeigt sich im Gespräch mit einem Firmeninhaber wie Thomas Kübler. Mit Hallenheizungen macht er sein Geld – und scheut keine klaren Worte.
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DüsseldorfThomas Kübler macht den Eindruck, ein bodenständiger Manager zu sein. Er redet begeistert darüber, Technologie-Führer in seiner Nische zu sein – dem Markt für Hallenheizungen. Dem Faible für Innovationen ordnet er vieles unter, etwa das Verlangen nach höchst möglicher Rendite.

In kariertem Hemd und Filzsakko, ein kleines Firmenlogo ans Revers geheftet, berichtet der Ludwigshafener von einem Rekordjahr: Umsatz 13 Millionen Euro, ein Wachstum von 20 Prozent, 120 Mitarbeiter im Betrieb. Nachhaltigkeit sei ihm wichtig, Wachstum nicht alles. Er referiert über die Vorzüge von Infrarotheizsystemen, die in Fabrikhallen vor allem die zwei Meter Raumhöhe beheizen, wo Mitarbeiter werkeln – nicht aber so stark die 18 Meter über ihnen bis zur Decke.

Und er kann die Frage beantworten, weshalb im Winter im ganzen Land Hobby-Sportler in Fußball- oder Tennishallen frieren müssen. „Eine drei Felder große Tennishalle zu beheizen, kostet bis zu 30.000 Euro über den Winter“, so der 48-Jährige. „Da ist man als Betreiber schon daran interessiert so wenig wie möglich zu heizen.“

Einer wie Kübler ist es, den sie in den Banken-Türmen in Frankfurt im Visier haben. Sowohl die Deutsche Bank als auch die Commerzbank sind auf Mittelstandsoffensive, wollen auch kleinere Unternehmen für sich und ihre Dienstleistungen begeistern. Denn das Investment-Geschäft ist riskant, da rücken stabile Erträge, wie sie Erstbank-Beziehungen versprechen in den Vordergrund.

Die Deutsche Bank ist dabei, ihre Zielgruppe bei Mittelständlern deutlich nach unten ausweiten. Während früher vor allem Maschinenbauer oder Autozulieferer mit Milliardenumsätzen im Fokus standen, will sich Deutschlands größte Bank zunehmend auch um kleine Firmen ab einstelligen Millionenerlösen kümmern. Künftig werde „jeder mitgenommen, der den Kontakt zur Deutschen Bank sucht“, sagte jüngst ein Beteiligter.

Und Commerzbank-Chef Martin Blessing hatte im Herbst deutlich gemacht: „Natürlich lieben wir das Geschäft mit (…) dem kleinen Mittelstand in Deutschland.“

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„Die wollen immer gleich auch das Standard-Geschäft“

Kommentare zu " Unternehmensfinanzierung: „Das tut man nicht, wenn man für drei Euro Verstand im Kopf hat“"

Alle Kommentare
  • Die Bank liebt nicht den Mittelständler, sondern einzig und allein ihre eigene Rendite! Da wurden und werden immer noch im Namen von Basel blabla KfW-Förderungen mit Füßen getreten und gekündigt, wenn die Rendite Verspätung hat oder nicht in der gewünschten Höhe ausfällt. O-Ton Bankberater: wissen Sie, Basel xxx soll zwar erst bis yyy umgesetzt werden, aber wenn Sie jetzt keine Sicherheiten nachlegen können, müssen wir ihren Kredit kündigen... (selbst erlebt).

  • Gewinnmarken (welche genau meinen Sie?)von reichlich 10% kann ich aus der veröffentlichten Bilanz nicht erkennen. Wenn der Bilanzgewinn von T€ 404 einen Gewinnvortrag von T€ 389 enthält, sind Ihre Werte nur schwer zu glauben.

    Eigenmittelquoten von rund 1/3??? Wenn Sie als vorsichtiger Kaufmann die Ford. ggü. dem Gesellschafter nicht als Abzugsposten von dem EK ansetzen, dann haben Sie wenig aus den Pleiten der vergangenen Jahrzehnte gelernt. Im Falle einer Insolvenz sind diese Forderungen zu 99,9% nichts wert. Beim einem Ausgewiesenen EK von 1.080 T€ und Ford. ggü. dem GS von T€ 455 bleiben effektiv nur noch ca. T€ 625.Das sind unter Berücksichtigung des Abzugsbetrages etwas über 20%.

    Ich lobe ausdrücklich das Engagement eines jeden Unternehmers, der Mut und der Wille diese Tätigkeit auszuüben sind beachtlich. Jedoch an Preisen den Erfolg auszumachen ist sehr zweifelhaft, dafür gibts es genügend schlechte Beispiele.

    die Hauptkritik richtet sich jedoch gegen die Art und Weise wie der Artikel aufgebaut ist und wie einseitig hier argumentiert bzw. Aussagen (siehe Blessing) verdreht werden.

  • Die Kommentare von "Banker" und "Wimmi28" sind nicht nachvollziehbar. Was wollen die Herren denn? Die schlechte Recherche, die sie dem Autor vorwerfen, trifft sie selbst. Die Gewinnmarken von reichlich zehn Prozent sind okay. Mehr ist nicht erreichbar im überregulierten deutschen Markt. Auch Eigenkapitalquoten von rund einem Drittel sind doch nun wirklich keineswegs die Regel! Als Kübler 1989 in Ludwigshafen gründete, brauchte er mangels Eigenkapital noch eine Bürgschaft seiner Mutter, um überhaupt die Gründungsfinanzierung hinzubekommen. Die 700.000 Euro Entnahme in 2007/08 sind keiner "Selbstbedienungsmentalität" geschuldet, sondern im Gegenteil Ausdruck seiner unternehmerischen Verantwortung. Sie sind Teil eines Gesamtpakets, mit dem zwischen 2007 und 2010 das Firmenareal um 100 Prozent erweitert wurde, mit neuen Labors, Arbeitsplätzen, einem Schulungszentrum und einer Mitarbeiterlounge. Kübler hat mehrere Patente und Marken angemeldet, er ist hochinnovativ und hat auf Energieeinsparung gesetzt, lange bevor das eine grün-politischer Megatrend wurde. 50 Prozent des Umsatzes werden von Produkten getragen, die kaum drei Jahre im Markt sind. Er ist Innovationsführer seiner Branche. All das kann man in Deutschland sonst lange suchen. Er selber ist von den Wirtschaftsjunioren bis zur Frauenkirche in Dresden auf vielfältige Weise politisch und gesellschaftlich engagiert, mit großen Einsatz an Zeit, Kraft und Geld. Er verkörpert das Gegenteil eines Abzocke-Unternehmers, als den ihn die beiden Kommentatoren darstellen wollen. Er ist ein Vorzeigeunternehmer, der aus eigener Kraft einen soliden Betrieb aus dem Nichts aufgebaut hat, seit Jahren als Innovationstreiber wirkt und seit Jahren über hundert Familien auf eigenes Risiko Arbeit und damit Lebensunterhalt gibt. Nicht umsonst ist er mehrfach von der IHK Pfalz zum Wettbewerb "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung vorgeschlagen und 2008 als Preisträger ausgezeichnet worden!

  • Das ist normales Beratungsgeschäft. Genauso normal sind - zumindest aus Sicht des Gesetzgebers - Sicherheiten für Kredite. Die Fähigkeit, überhaupt noch Kredite vergeben zu können, wird in Zeiten der Regulierungswut der Politik zum strategischen Asset: Kredite sind kein Deal, sondern Kennzeichen einer vertieften Kundenbeziehung. Der Bankberater muß Kompromisse suchen und finden zwischen den Bedürfnissen des Kunden und den regulierungsbedingt bürokratischen Bedürfnissen seines Arbeitgebers (der Aufwand fällt ziemlich unabhängig davon an, ob es ein kleines oder ein großes Darlehen ist!). Das ist normaler Vertriebsalltag wie in anderen Branchen auch. Übrigens, für alle, die hier mit Schaum vor dem Mund argumentieren: Ganz besonders im Bankbereich gilt, daß die Bank nur mit dem Kunden, der zufrieden ist und bleibt, Geld verdienen kann. Anders ist es mit den Deals eines Investmentbankers.

  • Je öfter ich den Bericht lese, desto wütender macht er mich. Selten so einen schlecht-recherchierten und manipulativen Bericht beim Handelsblatt gelesen, die anschließenden Kommentare sind nicht viel besser.

    Die aufgeführte Aussage von Herrn Blessing bezog sich auf Unternehmen bis 2,5 Mio € Umsatz, dies im Zusammenhang mit der hier erwähnten Firma (13 Mio € Umsatz)anzubringen, zeugt von schlechtem Stil. Bild-Niveau.

    Der Redakteur sollte ausserdem dringend einen Grundkurs für Bilanzierung in der Volkshochschule belegen, die Bilanz des Unternehmens (siehe Bundesanzeiger) sieht als andere als gut aus.

    Der Unternehmer führt seine Firma als Selbstbedienungsladen (siehe Darlehen an die Geschäftsführung in 2007/08 von damals über 20% der Bilanzsumme), das Eigenkapital ist unter Berücksichtigung dieses Wertes mehr als überschaubar, das Unternehmen läuft kaum profitabel und hat eine überschuldetet Tochter im Ausland.

    Insbesondere von Großbanken wird verantwortungsvolles Handeln gefordert, genau das wurde hier anscheinend getan. Einen Kredit ohne Sicherheiten sollte es für dieses Unternehmen nicht geben, für alles andere hätte ich kein Verständnis.

    Schade, dass der Redakteur hier mit so einem seichtem und einseitigen Artikel mal wieder alles dafür tut um uns Banker niederzumachen.

  • Was will uns der Autor mit diesem Artikel sagen? Großbanken sind böse und arrogant und Sparkassen und Genossen dein Freund und Helfer? Sitzt der Autor evtl. in einem Verwaltungsrat seiner Sparkasse vor Ort? Ich finde die journalistische Veratwortung geht hier wiedermal durch eine einseitige und wenig fundierte Meinung den Bach runter. Ich kann mich hier nur einem meiner Vorschreiber anschließen und empfehle die Bilanz mal zu analysieren und gratuliere jeder Sparkasse, die sich ohne Weitsicht in das Abenteuer unterbesicherter Kredit gestürzt hat, aber wenn's schief geht, macht es ja nichts, denn am Ende zahlt es ja der Steuerzahler.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Das ist doch völlig legitim von der bank. Sind wir bei der wohlfahrt. machen Sie doch auch so!

  • Das ist zwar nicht falsch, was im Artikel steht. Dort wird aber vom Ihaber weggelassen welches Risiko das neue GEschäft hat. Offenbar will er die Riskien ja strickt voneinander trennen. Es sucht also einen Silly-Finanzierer und ärgert sich nun, dass die neuen Banken gar nicht so silly sind, wie erhofft.

    ich bin als Unternehmer auch bankenkritisch. Aber man muss das Richtige kritisieren. Wenn man man die Banken hetzt, disqualifiziert man sich.

  • @Oha: Sajensemal Sie Funzel, wo hat man Ihnen das denn beijebracht?

    Das ist ein objektiver, sachlicher Standpunkt. Jeden Kunden zu bedienen bedeutet, dass eine Bank freiwillig Kunden mit schlechter Bonität akzeptiert. DAS ist genau das, was das Griechenland-Disaster ausgelöst hat und die Pleite von Lehmans.

    Banken die sich ausschließlich auf gute Kunden konzentriert haben, Banken die Kunden mit schlechter Bonität den Laufpass gegeben haben, hatten dagegen keine Probleme.

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