Unternehmensfinanzierung
GE hat Mittelstand im Blick

Der amerikanische Mischkonzern General Electric will sein Gewicht in der deutschen Unternehmensfinanzierung durch Übernahmen stärken. „Wenn sich eine passende Gelegenheit ergibt, würden wir kaufen“, sagte Joachim Secker, Vorstandschef der Heller Bank, der auf Factoring spezialisierten Tochter der Konzernsparte GE Commercial Finance (GECF).

FRANKFURT. Die Heller Bank ist bisher das größte Standbein der Amerikaner in Deutschland. Im vergangenen Sommer hatte der US-Konzern jene 50 Prozent des Factoring-Anbieters übernommen, die ihm noch nicht gehörten. Verkäufer war der holländische Allfinanzkonzern ING. Heller ist mit einem Marktanteil von über 20 Prozent der größte Factoring-Anbieter in Deutschland. Vor wenigen Wochen eröffnete GEFC zudem in Frankfurt ein Büro, von dem aus die Finanzierung von Firmenübernahmen angekurbelt werden soll. Darüber hinaus sind die Amerikaner hier zu Lande in der Flottenfinanzierung und im Leasing aktiv.

Der Ausbau des Deutschlandgeschäfts ist Teil der Konzernstrategie, in ganz Europa stärker Fuß zu fassen. Weltweit gehört GEFC mit einer Bilanzsumme von 191 Mrd. Dollar und einem Gewinn von 4,3 Mrd. Dollar zu den größten Anbietern von Finanzierungen außerhalb der Bankenbranche. In Europa beschäftigt die Sparte 7 500 Mitarbeiter und managt ein Bilanzvolumen von 45 Mrd. Dollar. Allerdings liegt der Marktanteil in Europa erst bei einem Prozent. „Deutschland rangiert auf der Prioritätenliste weit oben“, betonte Secker mit Blick auf mögliche Übernahmen. „Zukäufe sind sowohl im Factoring als auch in anderen Bereichen der Unternehmensfinanzierung denkbar“, sagte er. Konkrete Übernahmeziele nannte er allerdings nicht.

Die vollständige Übernahme der Heller Bank in GECF verläuft laut Secker reibungslos. Der Factoring-Spezialist hat in den zurückliegenden Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. In den letzten fünf Jahren hat sich der Umsatz verdreifacht. 2004 kam Heller mit 400 Kunden wie dem Elektronikhersteller Audiovox auf einen Umsatz von 9,9 Mrd. Euro und ein Betriebsergebnis von 27,6 Mill. Euro. Auch im vergangenen Jahr sei der Umsatz zweistellig gestiegen, sagte Secker. Genaue Zahlen will das Unternehmen aber erst im April bekannt geben.

Wie die ganze Branche profitierte Heller von dem Verhalten der Banken, die in den letzten Jahren wegen eigener Probleme und auf Grund der neuen Eigenkapitalanforderungen (Basel II) mit Krediten an den Mittelstand knauserten oder diese zumindest verteuerten. Beim Factoring verkauft der Kunde seine Forderung an ein Factoring-Institut, von dem er in der Regel sein Geld sofort erhält. Vor allem Mittelständler mit zweistelligen Millionenumsätzen nutzen diese Finanzierungsform.

Obwohl die Banken neuerdings Mittelständlern wieder leichter Kredit gewähren, ist die Branche optimistisch. Nach Angaben des Factoring-Verbandes wuchs der Markt im ersten Halbjahr 2005 um 22 Prozent. Secker rechnet für die kommenden drei Jahre mit einem Plus von jeweils mindestens 15 Prozent. Daher will er das Personal der Bank von 135 Mitarbeitern bis zum Jahresende auf mindestens 150 aufstocken. Und nach einer Studie des Konkurrenzanbieters ABC Factoring kann sich ein Fünftel aller Mittelständler die Nutzung von Factoring zumindest vorstellen. Derzeit nutzen erst 3 600 deutsche Firmen das Factoring.

Boom in der Nische

Wachstumsmarkt:

Das Factoring boomt. Seit 2000 hat sich das Geschäft verdoppelt. Die restriktive Kreditpolitik der Banken trieb den Factoring-Anbietern die Kunden zu. Doch der Markt ist noch klein: Verkauft werden Forderungen in Höhe von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts – deutlich weniger als in anderen Ländern. Europaweit liegt Deutschland nach Großbritannien, Italien, Frankreich und Spanien auf Platz fünf.

Starkes Ausland:

An den deutschen Banken geht der Aufschwung im Bereich Factoring weitgehend vorbei. Einige Institute haben das Geschäft aufgegeben, für die meisten anderen ist es eine Nischenaktivität. Infolgedessen wird der Marktanteil ausländischer Anbieter auf rund 60 Prozent geschätzt.

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