Unternehmensfinanzierung
Knappe Kassen und das Finanzrecht

Bei der Unternehmensfinanzierung müssen viele Firmen und ihre Rechtsberater mit strengeren Auflagen der Geldgeber klarkommen. Das fordert vor allem die Manager. Verantwortungsvolle Unternehmer müssen ihre Refinanzierung sichern, ihre Verschuldung herunterfahren und Währungsschwankungen absichern.

In Zeiten von Absatzeinbrüchen und Kreditklemme ist profundes Fachwissen im Finanzrecht gefragt. Denn jetzt hängen die Überlebenschancen der Unternehmen entscheidend von ihrer Finanzkraft ab. Die Herausforderungen für das Management lauten: Refinanzierung sichern, Verschuldung herunterfahren und Währungsschwankungen absichern. Für Wirtschaftsanwälte heißt das: Sie müssen sich auch in komplexen Finanzierungen zurechtfinden und für eine rechtssichere Umsetzung sorgen. Bedenkenträger sind nicht gefragt; weil die Unternehmen zum Handeln gezwungen sind, erwarten sie von ihren Anwälten innovative Lösungsansätze. Denn frisches Geld ist derzeit schwer zu bekommen.

So liegt der Markt für Eigen- und Fremdkapitalemissionen immer noch weitgehend brach. Zwar konnten einige Unternehmen erfolgreich Anleihen platzieren. An einen Börsengang oder die Ausgabe neuer Aktien wagt sich bei den derzeitigen Rahmenbedingungen aber kaum eine Firma.

Die Finanzierung erfolgt daher ganz überwiegend mit Bankkrediten, oft auch gestützt durch Bürgschaften der öffentlichen Hand. Dabei sind nicht nur die Konditionen deutlich schlechter geworden. Strenge Auflagen und Beschränkungen der Geldgeber machen den Firmen und ihren Anwälten zu schaffen. „Die Banken haben bemerkt, dass ihre Bedingungen in den Boomjahren die Darlehensnehmer sehr begünstigten“, sagt Helge Kortz, Partner von Gleiss Lutz in Frankfurt.

Das rächt sich jetzt – etwa bei vielen mit hohem Fremdkapitalanteil finanzierten Unternehmensübernahmen. Diese sogenannten Leveraged Buy-outs (LBO) hatten Banken lange ohne große Auflagen finanziert. „Jetzt lastet auf vielen Transaktionen erheblicher Druck“, berichtet Kortz. „Nachverhandlungen können sich wegen der unterschiedlichen Interessen der Parteien als schwierig gestalten.“ Die Banken haben Konsequenzen gezogen: Sie legen wieder mehr Wert auf eine höhere Eigenkapitalquote, strikte Kreditdokumentation und eine sorgfältigere Due Diligence.

Weil in der Wirtschaftskrise auch das Liquiditätsmanagement von eminenter Bedeutung ist, spielt bei der Unternehmensfinanzierung das sogenannte Cash Pooling eine wichtige Rolle. Bei diesem firmeninternen Finanzausgleich leihen sich die zum Konzern gehörenden Gesellschaften untereinander Geld. Die im Unternehmensverbund vorhandene Liquidität wird bei der Konzernmutter im „Cash-Pool“ gebündelt. Daraus wird dann der kurzfristige Finanzbedarf der Tochterfirmen gedeckt, die so auf teure Bankkredite verzichten können.

Obwohl Cash Pooling im reformierten GmbH-Recht Ende 2008 auf eine verlässliche Rechtsgrundlage gestellt wurde, bleibt die Konzernfinanzierung rechtlich heikel. „Die Geschäftsleitungen der Tochtergesellschaften müssen nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs die Möglichkeit haben, sich laufend über die wirtschaftliche Lage der Konzernmutter zu informieren und bei Verschlechterung der Bonität gegebenenfalls mit der Anforderung von Sicherheiten oder der Kündigung der Vereinbarung zu reagieren“, sagt Tom Oliver Schorling, Partner von White & Case in Frankfurt. „Zahlreiche Cash-Management-Vereinbarungen berücksichtigen dies nicht ausreichend. Eine Überprüfung und Anpassung ist daher zur Reduzierung persönlicher Haftungsrisiken dringend zu empfehlen.“

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