Unternehmensfinanzierung
Unternehmen schrecken vor Anleihen zurück

Besonders für Mittelständler sind Bondemissionen derzeit eine teure Angelegenheit. Denn wegen der Finanzkrise verlangen Investoren deutlich höhere Risikoprämien als bisher. Als Alternative kommen Schuldscheindarlehen in Frage.

FRANKFURT. Der Anleihemarkt ist für viele Unternehmen derzeit als Refinanzierungsquelle keine Alternative. Seit dem Ausbruch der Subprime-Krise um bonitätsschwache private US-Hypothekenschuldner im vergangenen Sommer scheuen Investoren das Risiko und verlangen deshalb für Unternehmensanleihen deutlich höhere Risikoprämien. Das schreckt viele Unternehmen ab.

Die Risikoprämien – also die Renditeaufschläge von Unternehmensanleihen im Vergleich zu sicheren Staatsanleihen – haben sich für Unternehmen mit guter Bonität seit Juni auf im Schnitt gut anderthalb Prozentpunkte verdreifacht. Noch dramatischer ist die Lage für Unternehmen, denen die Ratingagenturen nur eine schwächere Bonität mit Ratings unterhalb des Bereichs Investment-Grade attestieren. Für diese Unternehmen sind die Risikoaufschläge (Spreads) auf im Schnitt 7,7 Prozentpunkte gestiegen. Damit liegen sie mehr als viermal so hoch wie im Sommer. Seit über einem halben Jahr hat kein Unternehmen mit schwachem Rating eine Anleiheplatzierung gewagt.

Zu den Unternehmen mit eher schwachen Bonitätsnoten zählen auch kleine und mittelständische Unternehmen. Das liegt nach Einschätzung der Ratingagenturen vor allem daran, dass Mittelständler oft nur auf ein Geschäftsfeld konzentriert sind oder keine starke Wettbewerbsposition haben. Die meisten kleinen und mittelständischen Firmen haben indes gar kein Rating, was Anleiheplatzierungen bei internationalen Investoren erschwert. Kein Wunder also, dass sich die Mittelständler derzeit besonders zurückhalten.

„Die meisten Unternehmen haben aber auch keinen großen Refinanzierungsbedarf und sind deshalb nicht bereit, die Renditen zu zahlen, die derzeit am Anleihemarkt gefordert werden“, sagt Joachim Heppe, der bei Commerzbank Corporates and Markets in Frankfurt das Anleihesyndikat leitet.

Dabei haben sich die Anleihen von zumindest einigen mittelständischen Unternehmen im Markt trotz der Krise gut gehalten. So ist der Kurs der Anleihe des Kabelspezialisten Leoni seit dem Sommer sogar leicht gestiegen, sie wird aber auch nur wenig gehandelt. „Wer heute Anleihen platziert, muss deutlich höhere Aufschläge im Vergleich zu ausstehenden Papieren bezahlen“, ist Heppe sicher.

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