Unternehmensform
Societas Europaea – eine Gesellschaftsform mit Zukunft?

Mit der Societas Europaea (SE) können Unternehmen in den EU-Ländern sowie den EWR-Staaten Norwegen, Island und Liechtenstein auf Basis einer europäischen Rechtsform agieren. Aber Vorsicht: Die SE hat unterschiedliche nationale Ausprägungen.

KÖLN. Die europäische Gesellschaftsform Societas Europaea (SE) beruht auf einer EG-Verordnung von 2001 und einer ergänzenden EG-Richtlinie über die Arbeitnehmermitbestimmung. Unternehmen, die als SE firmieren, können überall in der EU tätig werden, ohne für jedes Land eine eigene Tochtergesellschaft gründen zu müssen. Das verbessert ihre Wettbewerbsfähigkeit und erleichtert die grenzüberschreitenden Aktivitäten.

Die Gründung einer SE ist in folgenden fest vorgeschriebenen Fällen möglich: Verschmelzung von bestehenden Gesellschaften, Gründung einer Holding- oder einer gemeinsamen Tochtergesellschaft, Umwandlung einer nationalen Gesellschaft und schließlich Gründung einer Tochter-SE durch eine SE. In jedem Falle müssen an der Gründung Gesellschaften (teilweise auch GmbH) aus mindestens zwei EU- beziehungsweise EWR-Ländern beteiligt sein. Das Mindestkapital einer SE beträgt 120 000 Euro. Die flexible innere Struktur einer SE ermöglicht die Wahl zwischen dem dualistischen Modell (Vorstand, Aufsichtsrat) und einem einheitlichen Verwaltungsrat.

Die SE bringt Unternehmen eine Reihe von Vorteilen. So können sie ohne Auflösung und Neugründung der Gesellschaft ihren Sitz von einem Land ins andere verlegen (etwa bei der Auswahl eines attraktiven Steuerdomizils). Auch Umstrukturierungen und Fusionen sind für international tätige Unternehmen leichter möglich. Ferner reduziert sich der Verwaltungsaufwand, der bei einer Vielzahl von Tochtergesellschaften entsteht. Für europaweit tätige Unternehmen ist die Einrichtung einer "Vertriebs-SE" denkbar, die innerhalb der gesamten EU Geschäfte betreiben kann. Auch Imagegründe spielen eine wichtige Rolle: Die Firmierung als SE signalisiert Internationalität und Größe.

Der erste Eindruck einer vollständig vereinheitlichten Rechtsform täuscht allerdings: Eine SE ist "europäisch vielfarbig" und hat 30 unterschiedliche nationale Ausprägungen. Trotz eines einheitlichen Rahmens ist eine SE nämlich nicht vollkommen von den einzelnen nationalen Rechtsordnungen losgelöst. Bei den nicht oder nicht abschließend geregelten Fragen wie Gründungsverfahren, Kapitalaufbringung und-erhaltung, Besteuerung, Wertpapierausgabe, Rechnungslegung gelten nationale Gesetze am Sitz der SE.

Dennoch erfreut sich die Unternehmensform zunehmender Beliebtheit. Nach einem eher verhaltenen Beginn ist die Zahl der SE zuletzt deutlich gewachsen. Erste deutsche Großunternehmen wie die MAN Diesel SE, die Allianz SE, die Fresenius SE sowie zuletzt die BASF SE haben diesen Schritt bereits unternommen. Zahlenmäßig nimmt Deutschland in Europa die Vorreiterrolle ein. Auch in den Ländern Mittel- und Osteuropas entscheiden sich immer mehr Unternehmen für die europäische Gesellschaftsform.

Für mittelständische Unternehmen, insbesondere solche mit einem dichten Vertriebsnetz in Europa, ist die Societas Europaea ebenfalls eine mögliche Rechtsform. Die Gründung einer SE kann jedoch sehr aufwendig sein und bedarf der gründlichen Prüfung.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%