Unternehmensinsolvenzen
Firmen sterben wie die Fliegen

2009 wird die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland kräftig nach oben schnellen. Das prognostiziert die Wirtschaftsauskunftei Creditreform. Bis zu 35 000 Unternehmen könnten in diesem Jahr zahlungsunfähig werden. Dabei sind gerade die Mittelständler derzeit besser gerüstet als vor einigen Jahren.

DÜSSELDORF. Schiesser, Märklin, Rosenthal - drei traditionsreiche Markenartikler hat es bereits erwischt. Sie werden wohl nicht die letzten sein: Im Gesamtjahr 2009 wird die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland wieder kräftig nach oben schnellen, prognostiziert die Wirtschaftsauskunftei Creditreform. "Der globale Wirtschaftsabschwung und die härteren Finanzierungsbedingungen führen dazu, dass in diesem Jahr voraussichtlich 33 000 bis 35 000 Unternehmen zahlungsunfähig werden", sagte Creditreform-Vorstand Helmut Rödl in Düsseldorf.

Die gute Nachricht: Die Zahl der Insolvenzen in Deutschland wird auch im schlimmsten Fall deutlich unter dem Höchststand aus dem Jahr 2003 bleiben, als 39 470 Unternehmen den Gang zum Insolvenzrichter antreten mussten. Im Vergleich zur damaligen Krise seien die deutschen Mittelständler diesmal besser für den Abschwung gewappnet. "Und die Unternehmen haben", fügte Rödl hinzu, "früher reagiert". Außerdem geht der Creditreform-Experte davon aus, dass die Konjunkturpakete der Bundesregierung im Laufe des Jahres Wirkung entfalten und den schlimmsten Absturz verhindern werden. Für die EU-Staaten plus Norwegen und die Schweiz erwartet Creditreform einen ähnlichen Trend: Die Experten prognostizieren einen Anstieg der Insolvenzen um 13 Prozent auf 170 000 Fälle.

Creditreform legte zugleich Daten für das Jahr 2008 vor. Demnach ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Westeuropa erstmals seit dem Jahr 2005 gestiegen: um elf Prozent auf gut 150 000 Fälle. Massiv betroffen von Firmenpleiten waren dabei ausgerechnet diejenigen Länder, in denen die Wirtschaft in den Jahren zuvor regelrecht boomte. In Spanien stieg die Zahl der Insolvenzen im vergangenen Jahr um 138,6 Prozent auf 2100 und in Irland um 120,8 Prozent auf 700 Fälle. Der Dienstleistungssektor mit einem Anteil von 36,4 Prozent, der Handel (33,3 Prozent) und das Baugewerbe (19,3 Prozent) waren die am stärksten betroffenen Branchen.

Auch in Deutschland drehte der Trend. Erstmals seit 2003 nahm im vergangenen Jahr die Zahl der Firmenpleiten wieder um 2,2 Prozent auf 29 800 Fälle zu. Fast eine halbe Million Beschäftigte war von der Insolvenz ihres Arbeitgebers betroffen. 2009 könnte die Zahl um bis zu 18 Prozent steigen, schätzt Creditreform.

Mit der Rezession hat sich die Zahlungsmoral in fast allen untersuchten europäischen Staaten ebenfalls verschlechtert. In Italien dauert es mittlerweile im Schnitt 92 Tage, bis offene Rechnungen beglichen werden. In Deutschland muss ein Gläubiger mit 39 Tagen nur halb so lange warten, bis er an sein Geld kommt. Kritisch ist darüber hinaus, dass sich Kreditversicherer aus Teilen des Marktes ganz oder teilweise zurückziehen. "Das ist nicht von Pappe", warnt Credit-Reform-Manager Rödl. Denn der Rückzug der Kreditversicherer vergrößert die Probleme bei der Absicherung von Forderungen gegenüber Kunden.

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