Unternehmensnachfolge
Den Nachfolger frühzeitig einbinden

Häufig bereiten sich Mittelständer nicht rechtzeitig oder nur unvollständig auf eine Übergabe an einen Nachfolger vor. Im Schlimmsten Fall kann das die wirtschaftliche Existenz des Unternehmens gefährden kann. Das neue Erbschaftsteuer- und Bewertungsrecht wirkt sich auch auf die Steuerbelastung der Unternehmen aus.

BIELEFELD. Schätzungen zufolge stehen in Deutschland jedes Jahr rund 71 000 Familienunternehmen vor der Unternehmensnachfolge. Allerdings wird die oftmals nicht rechtzeitig oder nur unvollständig vorbereitet, was die wirtschaftliche Existenz des Unternehmens gefährden kann. Dabei ist eine geregelte Unternehmensnachfolge nicht nur für eine steueroptimale Übertragung, sondern insbesondere zur Erhaltung der Kreditwürdigkeit des Unternehmens absolut unerlässlich. Schließlich ist die Kreditfinanzierung nach wie vor eine der bedeutendsten Finanzierungsquellen mittelständischer Unternehmen. Denn eines ist klar: Eine unsichere Unternehmensnachfolge wirkt sich negativ im Rating-Verfahren der Banken aus.

Hintergrund sind die Vorgaben zur Mindestkapitalausstattung der Banken und die daraus resultierende risikoabhängige Unterlegung von Krediten mit Eigenkapital (Basel II). Zur Klassifizierung des Risikos muss sich jeder Kreditnehmer den bankinternen Ratingverfahren stellen. Dabei werden neben quantitativen Rating-Kriterien wie die Auswertung von Zahlenmaterial im Rahmen der Bonitätsprüfung zunehmend qualitative Kriterien wie beispielsweise die Unternehmensnachfolge abgefragt und beurteilt. Die Unternehmensnachfolge erhält somit zukünftig einen höheren Stellenwert. Wird dieses Thema aufgegriffen, stellt sich neben der Auswahl des geeigneten Nachfolgers unter anderem die Frage, mit welchen Liquiditätsbelastungen das Unternehmen rechnen muss. Schließlich soll nicht nur Gewissheit darüber herrschen, wer etwas bekommt und wie viel, auch das Finanzamt wird sein Interesse bekunden. Und spätestens an dieser Stelle sieht sich das Unternehmen mit den Änderungen des Erbschaftsteuer- und Bewertungsrechts konfrontiert.

Hier wurde insbesondere die bisherige bewertungsrelevante Unterscheidung der Rechtsformen weitgehend abgeschafft. Erstmals sind neben den Kapitalgesellschaften auch die vom Mittelstand häufig gewählten Personengesellschaften unter Berücksichtigung zukünftiger Ertragsaussichten oder anhand gängiger Methoden zur Unternehmensanalyse zu bewerten. Im Vergleich zur bisherigen Rechtslage kann sich daraus für jede Rechtsform eine massive Höherbewertung des Unternehmens ergeben.

Zwar kann nach den neuen Regelungen eine Unternehmensübertragung durch Verschonungsabschläge und Freibeträge grundsätzlich ohne Erbschaftsteuerbelastung erfolgen, fraglich ist aber, ob sich das in der Praxis auch umsetzen lässt.

So ist beispielsweise für eine vollständige Verschonung von der Erbschaftsteuer unter anderem erforderlich, dass im Unternehmen mindestens eine gleichbleibende Lohnsumme über einen Zeitraum von zehn Jahren erhalten wird. In Zeiten der Wirtschaftskrise ist das für viele mittelständische Unternehmen noch schwerer vorhersehbar. In Verbindung mit den gestiegenen Erbschaftsteuersätzen können die neuen Bewertungsregeln zu einer erheblich höheren Steuerbelastung führen.

Um das Risiko zu begrenzen, sind eine frühzeitige Einbindung des Unternehmensnachfolgers und eine ausreichende Vorsorge für latente Steuerbelastungen erforderlich. Ohne derartige Vorkehrungen kann es für das Unternehmen teuer werden: Ein mit vielen Unwägbarkeiten behaftetes Engagement wird regelmäßig als risikoreich zu beurteilen sein, mit der Folge, dass die Banken entweder die Kreditvergabe im Vorfeld ganz ablehnen oder ihre eigenen zusätzlichen Kosten durch Erhöhung der Kreditkonditionen an das Unternehmen weitergeben. Beides kann zu Existenz gefährdenden Liquiditätsengpässen im Unternehmen führen.

Die Autoren: Henning Rolf ist Rechtsanwalt, Steuerberater und geschäftsführender Partner, Frank Pankoke ist Steuerberater und Manager bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft MAZARS Hemmelrath.

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