Unternehmensnachfolge: Vererben will gelernt sein

Unternehmensnachfolge
Vererben will gelernt sein

Gute Vorsätze für das neue Jahr betreffen meist unangenehme Dinge, die man lange vor sich hergeschoben hat: Für manchen mittelständischen Unternehmer in Deutschland könnte dazu die Regelung der eigenen Nachfolge und der Erbschaft zählen. Denn für viele Firmen-Patriarchen, die oft über ein hohes Vermögen verfügen, ist die Vorstellung, einmal aufzuhören zu müssen, nach wie vor tabu.

HB FRANKFURT. Inzwischen haben die Banken diese interessante Zielgruppe für sich wiederentdeckt und wollen bei dem schwierigen Thema mit Rat und Tat zur Seite stehen. „Estate Planner“ (Nachlass-Berater) heißen solche spezialisierten Berater im Fachjargon.

Bis zum Jahr 2010 werden nach Branchenangaben in Deutschland mehr als zwei Billionen Euro - eine Zahl mit zwölf Nullen - vererbt. Doch nicht einmal jeder Dritte hat ein eigenes Testament, und falls doch, ist dieses häufig unwirksam oder schlicht unvernünftig. Für Unternehmer kann solche Fahrlässigkeit verhängnisvoll sein: Gibt es Streit zwischen den Erben - jeder fünfte Erbfall landet heute vor Gericht - droht schlimmstenfalls sogar der Verkauf der Firma, um an bares Geld für die Erbschaft zu kommen. „Ein Estate Planner weist auf solche Fallstricke hin“, erklärt Andreas Emser, Projektleiter bei der renommierten HfB Business School of Finance & Management (ehemals Hochschule für Bankwirtschaft) in Frankfurt.

„Estate“ ist der englische Begriff für Nachlass, bezeichnet häufig aber auch einen herrschaftlichen Familiensitz, wie er aus Fernsehserien à la „Das Erbe der Guldenburgs“ bekannt ist. Im 21. Jahrhundert sind die Sprösslinge erfolgreicher Unternehmer jedoch häufig in der ganzen Welt zerstreut, studieren Tanz in New York oder gründen Internet-Firmen in Hongkong. Mit dem väterlichen Betrieb wollen sie oft nichts zu tun haben. Entsprechend groß ist dann das Misstrauen, wenn der Nachwuchs das Thema Erbschaft zur Sprache bringt.

Ein professioneller Estate Planner hat dem gegenüber den Vorteil der Neutralität. „Viele Unternehmer sind dankbar, von jemanden angesprochen zu werden, der kein potenzieller Erbe ist“, berichtet Henning Kley, Dozent an der HfB und bei der Deutschen Bank im Bereich „Private Wealth Management“ (privates Wohlstandsmanagement) tätig.

An der HfB und anderen Hochschulen absolvieren Banker, Juristen oder Wirtschaftsprüfer ein Zusatzstudium, das unter anderem die Bereiche Erbrecht, Unternehmensnachfolge und Mediation (Vermittlung) umfasst. Begriffe wie „Parentelsystem“ oder „gesetzliche Erben dritter Ordnung“ sollten für die Teilnehmer anschließend keine Fremdworte mehr sein. Auch die Gründung von Stiftungen - etwa wenn es keine Erben gibt, die das Unternehmen weiterführen können - ist ein wichtiges Thema.

In der Praxis sind der Tätigkeit von Estate Plannern, die bei Banken arbeiten, allerdings Grenzen gesetzt: Wegen des Standesrechts dürfen sie nicht in die Rolle von Rechtsanwälten oder Steuerberatern schlüpfen. Sie verstehen sich daher eher als Generalisten, die die unterschiedlichen Experten an einen Tisch bringen und auch bei so genannten „Familienkonferenzen“ anwesend sind.

Der Trend zum Estate Planning kommt aus den USA, wo sich die Beratung für extrem wohlhabende Kunden längst zu einem eigenständigen Fach entwickelt hat. Der Nutzen für die Banken liegt auf der Hand: Sie haben nicht nur Interesse an der Verwaltung von Privatvermögen, sondern schätzen die Mittelständler auch als Firmenkunden. Nachdem sich deutsche Großbanken zeitweise aus dem Geschäft zurückgezogen hatten, gelten diese Kunden inzwischen wieder als lukrativ. Die HfB will aber auch Sparkassen und Volksbanken für das Thema Estate Planning gewinnen; schließlich sind diese Geldinstitute am stärksten bei den mittelständischen Betrieben in der Fläche engagiert.

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