Unternehmensrecht
Die Krise und ihre rechtlichen Folgen

Wenn die Umsätze wegbrechen, wollen viele Unternehmen ihre Eigenkapitalbasis stärken - und Schulden in Sacheinlagen umwandeln. In Zeiten der Krise stehen viele Firmen unternehmensrechtlich vor neuen Herausforderungen, denen sie nicht immer gewachsen sind. Der Beratungsbedarf steigt.

Cash, Cash, Cash und noch mal Cash - diese Maxime zieht sich derzeit durch sämtliche Branchen. Wo Umsätze deutlich zweistellig wegbrechen, suchen Unternehmen vor allem nach Möglichkeiten, ihre Eigenkapitalbasis zu stärken. Und weil sich die Banken extrem zurückhalten, stehen plötzlich Sacheinlagen im Vordergrund. "Debt Equity Swap" heißt die Zauberformel, mit der Gläubiger weit im Vorfeld einer Insolvenz ihre Forderungen in Gesellschaftsanteile umwandeln sollen. Der Effekt: Statt Schulden zu bedienen, kann das Unternehmen wieder atmen und Liquidität ansammeln. "Durch eine rechtzeitige Refinanzierung oder Restrukturierung kann ein Unternehmen in vielen Fällen seine Bewegungsfreiheit am Markt zurückerhalten und eine Insolvenz vermeiden. Sacheinlagen, Mezzanine-Finanzierungen oder der Verkauf einzelner Unternehmensteile können hier geeignete Maßnahmen sein", sagt Rechtsanwalt Marius Berenbrok, Leiter der deutschen Praxisgruppe Unternehmensrecht bei Freshfields Bruckhaus Deringer. Handels- und Gesellschaftsrechtler übernehmen die rechtliche Strukturierung derartiger Schritte und führen oft auch die Verhandlungen mit internen und externen Stakeholdern.

Geschwächt wird das Immunsystem der börsennotierten Unternehmen zusätzlich durch die Volatilität der Aktienkurse. Hier sieht Berenbrok den Trend hin zu sogenannten Anker-Aktionären, die unliebsame Übernahmen verhindern sowie die Refinanzierung der Fremdverbindlichkeiten ermöglichen. Aktuelle Beispiele sind der Einstieg von Aabar Investments aus Abu Dhabi bei Daimler, von Skion bei SGL Carbon und von Grenzebach bei Kuka.

Große Private-Equity-Fonds, Family Offices, Staatsfonds und viele mittelständische Betriebe verfügen nach wie vor über erhebliche Liquidität. Für Schnäppchenjäger könnten vor allem Beteiligungen an Unternehmen interessant sein, die sich noch vor ein, zwei Jahren günstige Leveraged-Buyout-Finanzierungen gesichert haben. "Die Kredite laufen meist sieben oder acht Jahre zu Konditionen, die heute undenkbar wären", sagt Rechtsanwalt Johannes Tieves von Hengeler Mueller. "Viele Fonds und Anleger sind aber auch der Ansicht, dass die Unternehmensbewertungen nach wie vor zu hoch, die Preise zum Einsteigen somit noch nicht erreicht sind."

Erheblichen Beratungsbedarf dürften die Unternehmen hierzulande in Fragen von Compliance, Managerhaftung und Vergütungen haben. Vor allem auf die Aktiengesellschaften und ihre Aufsichtsräte kommen einige Neuerungen zu, sollte das "Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung" noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet werden. Danach sollen Aufsichtsräte unter anderem persönlich haften, wenn die Vorstandsvergütungen nicht in einem angemessenen Verhältnis zu den Leistungen stehen und sich die Bezüge außerhalb des branchen- oder landesüblichen Rahmens bewegen. Rechtsberater sehen das aber kritisch. "Der Gesetzgeber sollte nicht alle Unternehmen über einen Kamm scheren. Gesetze wirken immer typisierend und blenden den Einzelfall aus, obwohl es doch gerade um Einzelfallgerechtigkeit geht", mahnt Tieves von Hengeler Mueller. Das Thema Vorstandsvergütung solle der Gesetzgeber lieber dem Markt überlassen. Die immer kürzere Verweildauer von Top-Managern in deutschen Unternehmen gebe Anlass zur Sorge. Eine aktuelle Studie von Booz & Company zeigt, dass Chefsessel im deutschsprachigen Raum so unsicher sind wie sonst nirgends auf der Welt - jeder sechste Manager musste 2008 gehen.

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