Unternehmenssteuerreform
Neue Vorteile für den Mittelstand

Die große Koalition will den Mittelstand bei der Unternehmensteuerreform im gleichen Maße wie Konzerne entlasten. Die Gewinne von Personengesellschaften, die der Einkommensteuer unterliegen, sollen künftig ebenfalls nur noch mit maximal 29,8 Prozent besteuert werden. Allerdings gibt es eine Ausnahme.

BERLIN. Wenn die Gewinne der Personengesellschaften später entnommen werden, muss der Gesellschafter sie nachversteuern. Die Nachversteuerung erfolgt wie die Besteuerung von Dividenden. Dieser Beschluss ist Bestandteil des Unternehmensteuerkonzepts, auf das sich am Donnerstag die Finanzpolitiker der Koalition unter Leitung von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) und Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) geeinigt haben.

„Für den Mittelstand ist die Verbesserung weitaus größer als es das Entlastungsvolumen vermuten lässt“, sagte Koch. Insgesamt werden Personengesellschaften um knapp fünf Mrd. Euro entlastet. Zudem profitieren sie von der Anhebung des Anrechnungsfaktors der Gewerbesteuer bei der Einkommensteuer von 1,8 auf 3,8 Prozent.

Kleine Unternehmen dürfen höhere Ansparabschreibungen bilden. Der Rücklagen-Höchstbetrag soll von heute 154 000 Euro auf 200 000 Euro erhöht werden. Die Rücklagen dürfen zudem künftig für alle beweglichen Wirtschaftsgüter, nicht nur für neue, genutzt werden. Die heutigen Existenzgründerrücklagen bis zu 200 000 Euro werden abgeschafft, weil die Ansparabschreibung an ihrer Stelle verwendet werden kann.

Kleinunternehmen profitieren außerdem davon, dass es bei den Zinskostensteuern in der Gewerbesteuer künftig einen Freibetrag von 100 000 Euro gibt. „Viele Handwerker werden künftig keine Gewerbesteueranmeldung mehr vornehmen müssen, und damit von Bürokratie entlastet“, lobte Matthias Lefarth, Steuerexperte des Handwerksverbandes ZDH. Aus seiner Sicht sei es außerdem positiv, dass die Grundsteuer nicht erhöht wird.

Verbände fürchten bürokratisches Monster

Die Steuerentlastung für thesaurierte Gewinne stößt bei Steuerexperten der Wirtschaftsverbände allerdings auf Skepsis: Sie fürchten, dass sie zu einem bürokratischen Monster werden könnte. Für jeden Gesellschafter muss das Unternehmen außerhalb der Bilanz „gesonderte Aufzeichnungen“ vornehmen, um nachzuhalten, wann welcher Anteil der thesaurierten Gewinne von wem entnommen wurde. Das geht aus Unterlagen aus der Arbeitsgruppe hervor, die dem Handelsblatt vorliegen. Auch wenn ein Betrieb verkauft oder aufgegeben wird, muss nachversteuert werden. Der Betrag kann allerdings gestundet werden. „Das Veranlagungsverfahren wird deutlich komplizierter“, heißt es in den Unterlagen.

Für Personenunternehmen gilt genauso wie für Kapitalgesellschaften künftig die neue „modifizierte Zinsschranke“. Sie wird angewendet auf Zinsen sowie die Finanzierungsanteile von Mieten, Pachten, Leasingraten und Lizenzen. Dazu werden zunächst die Zinseinnahmen eines Unternehmens von den Zinsausgaben abgezogen. Die verbleibenden Zinskosten dürfen, wenn sie höher sind als eine Mill. Euro, zunächst nur zum Teil steuerlich geltend gemacht werden. Eine „Escape“-Klausel ermöglicht es den Unternehmen aber, nachzuweisen, dass sie hohe Gesellschafterdarlehen nicht zur Steuergestaltung nutzen, sondern daraus tatsächlich ihr Geschäft finanzieren. Der Zinskostenbetrag, der zunächst nicht vom Gewinn abgezogen werden konnte, kann vorgetragen werden.

Die Zinsschranke wird in der Umsetzung schwierig sein, erwartet DIHK-Steuerexperte Alfons Kühn. Allerdings werden die Unternehmen auch von Bürokratie entlastet: Der kompliziert anzuwendende Paragraf 8a des Körperschaftsteuergesetzes, der heute die Gesellschafterfremdfinanzierung einschränkt, wird abgeschafft.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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