Unternehmer-Dynastie
Die Quandts – Reichtum mit schwerem Erbe

Die Familie Quandt prägt seit gut 100 Jahren die deutsche Wirtschaftsgeschichte, heute ist sie eine der reichsten Familien des Landes und kontrolliert Konzerne wie BMW und Altana. Wie es dazu kam, ist eine Geschichte von Mut und Visionen, aber auch von Ausbeutung und Blutzoll.
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An einem kalten Abend im März dieses Jahres empfängt das Gründerzentrum München 500 geladene Gäste. Man trägt Abendkleidung, es gibt Videoinstallationen, und Sektgläser klirren beim Anstoßen. Doch als die reichste Frau Deutschlands auf die Bühne tritt, wird es totenstill im Saal. So gut wie nie tritt Susanne Klatten öffentlich auf, kaum einer weiß etwas über sie, obwohl sie und ihr Bruder zusammen mit ihrer Mutter die Macht in einer der mächtigsten deutschen Dynastien haben.

Susanne Klatten spricht an diesem Abend als Aufsichtsratschefin des Gründerzentrums über "Mut zum Unternehmertum" und darüber, dass es gelte, Ideen eine Chance zu geben. Es klingt, als spräche sie über die Geschichte ihrer Familie, über die Geschichte der Quandts.

Doch ist dies nicht der einzige Grund, aus dem ihre Rede an diesem Abend auf Interesse stößt, denn in diesen Tagen wird bekannt, dass Susanne Klatten fast heimlich neue Beteiligungen in das familieneigene Firmengeflecht eingezogen hat, die die Zukunft der Geschäfte sichern sollen und so auch das Fortbestehen der Dynastie garantieren.

Die Quandts sind die mächtigste und die reichste unter den deutschen Industriellenfamilien, allenfalls die Clans der Porsches und Piëchs reichen noch an sie heran. Auf 17,7 Milliarden Euro taxiert das "Manager-Magazin" derzeit das Quandt?sche Vermögen, vermutlich sind es aber mehr als 20 Milliarden Euro, denn einige Familienmitglieder beobachten die Medien bislang gar nicht.

Wie die Familie zu diesem Vermögen kam und wie sie die erfolgreichste Industriellenfamilie im Deutschland des 20. Jahrhunderts wurde, ist die Geschichte eines grandiosen Aufstiegs und eines bürgerlichen Triumphs, aber man könnte diese Geschichte auch erzählen als eine einzige Kette von Unglücken, Tragödien und Schicksalsschlägen.

Den Kern des Quandt-Vermögens macht die Kontrollmehrheit beim Autohersteller BMW aus, die Johanna Quandt und ihre beiden Nachkommen Susanne Klatten und Stefan Quandt gemeinsam halten. Die Liste weiterer Unternehmen, an denen die Familie oder einzelne Mitglieder beteiligt sind oder waren, liest sich wie ein Handbuch der deutschen Wirtschaftsgeschichte: AFA, Altana, Byk Gulden, Contrans, Carl Schenk, Ceag, Delton, Daimler-Benz, Datacorp, Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken, Feri, Gemplus, Heel, Industriewerke Karlsruhe-Augsburg, Mauser-Werke, Medima, Milupa, Mouson, Nordex, Pertrix-Werke, SGL Carbon, Thiel, Van Laack, Varta, Wintershall.

Die Quandts ragen aus dem Kreis der großen Unternehmerfamilien hervor, weil sie sich niemals an eine einzige Branche gebunden haben, sie waren und sind Generalisten.

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  • "Der blutzoll war aber höher, denn die Kranken und Arbeitsunfähigen wurden in das KZ-Stammlager Neuengamme bei Hamburg zurückgebracht, wo sie dann meist starben.

    Günther Quandt und sein Sohn Herbert bekamen davon wenig mit."

    Fuer diesen Satz kann der Autor sicher ein bMW als Geschenken hoffen.

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