Unternehmer im Gespräch
„Ich brauche die Macht nicht“

Martin Viessmann fühlt sich seinem Erbe verpflichtet. Der Familienunternehmer baut Heiztechnik in der dritten Generation. Im Handelsblatt-Interview spricht er über einbrechende Märkte, externe Berater und private Flugstunden - und erzählt, wie er die Nachfolge im Unternehmen regelt.

Handelsblatt: Herr Viessmann, Sie haben nicht nur einen Pilotenschein, sondern auch einen eigenen Flugplatz samt zwei Flugzeugen. Das klingt nach teurem Vergnügen.

Martin Viessmann: Weit gefehlt. Unser Unternehmen hat seinen Hauptsitz an einem verkehrstechnisch sehr ungünstigen Standort. Sie brauchen aus jeder Himmelsrichtung eine Stunde bis zur Autobahn. Deswegen hat schon mein Vater in den 60er-Jahren das erste Flugzeug gekauft. Ich habe dann Fliegen gelernt und mir während des Studiums damit Geld verdient.

Also gehört das Fliegen zur Unternehmenstradition?

In einem Familienunternehmen ist es wichtig, dass man als Eigentümer an allen Standorten vorbeischaut. Bei uns sind das mehr als 100 weltweit. Ich war am Freitag in Ungarn, am Wochenende bei türkischen Kunden und am Montag in unserer Zentrale in der Türkei. Unsere Kunden legen Wert darauf, den Inhaber zu sehen.

Fliegen Sie immer selbst?

Ich fliege, wenn ich mit einem unserer Flugzeuge unterwegs bin, in der Regel selbst. Wenn ich privat fliege, nehme ich Linienflüge. Unsere Flugzeuge dienen vor allem als Transportmittel für Mitarbeiter, aber auch dazu, Kunden zu uns zu holen. Wir hätten die Internationalisierung des Geschäfts ohne diese Mobilität nicht bewerkstelligen können.

Herr Viessmann, alle Welt spricht von der Krise, doch der Heiztechnik geht es gut. Warum?

Moment, auch an unserer Branche geht die Wirtschaftskrise nicht spurlos vorüber. Zwar bewegt sich der deutsche Markt in etwa auf Vorjahresniveau, aber wir sehen deutliche Rückgänge auf den Auslandsmärkten, vor allem in Osteuropa.

Warum ist Ihre Branche weitgehend konjunkturunabhängig?

Der Gebäudebestand in Deutschland bietet ein riesiges Modernisierungspotenzial. Das muss vor allem deshalb ausgeschöpft werden, damit die energiepolitischen Ziele bis 2020 erreicht werden. In Deutschland sind von 17 Millionen Heizungsanlagen nur höchstens zwanzig Prozent auf dem aktuellen Stand der Technik. Das heißt, 13,6 Millionen Anlagen stehen bis 2020 zur Erneuerung an.

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