Unternehmerinnen-Umfrage
Kinder, Karriere, eigener Chef!

Ist die Selbstständigkeit eine Chance für mehr Vereinbarkeit von Beruf und Familie? Viele Unternehmerinnen sind davon laut einer Umfrage überzeugt. 14 Prozent haben sogar aus diesem Grund gegründet.

DüsseldorfDie Gründerin des Mütterportals Netmoms, Tanja zu Waldeck, war gerade schwanger, als sie 2007 die Idee für das eigene Unternehmen hatte. Verena Pausder gründete ihr drittes Unternehmen, Fox & Sheep, das Spiele-Apps für kleine Kinder anbietet, als sie gerade alleinerziehend mit zwei Kindern war. Beide arbeiten noch als Geschäftsführerinnen, auch wenn sie ihre Unternehmen inzwischen an die Tomorrow Focus AG und den Spielzeughersteller Haba verkauft haben. Sie befinden sich in guter Gesellschaft. Knapp 40 Prozent der Arbeitgeberinnen sehen in der Familiengründung kein Handicap, ein Unternehmen zu lenken.

Das ergibt die Unternehmerinnen-Umfrage 2016, eine jährliche Erhebung des Verbands deutscher Unternehmerinnen (VdU) und der Deutschen Bank. Wie bei zu Waldeck war laut Umfrage für weitere 14 Prozent die Familiengründung sogar der Auslöser für die Selbstständigkeit. Nur elf Prozent der Befragten gaben an, die Selbstständigkeit habe sie von der Familiengründung abgehalten. Statistisch ist es zwar nur schwer zu belegen, aber Nachfolgerinnen, die möglicherweise ein Familienunternehmen übernehmen können, verzichten offenbar eher auf Kinder. So wie Maria Kurz* (Namen geändert). Sie hatte jahrelang gehofft, das elterliche Unternehmen übernehmen zu können, hatte auf Partner und Familie zunächst verzichtet, und dann verkauften die Eltern das Unternehmen.

Die vom VdU und der Deutschen Bank befragten Unternehmerinnen wissen, wovon sie sprechen: Zwei Drittel von ihnen sind Mütter, jede zehnte hat sogar drei oder mehr Kinder. Dabei ist auch in den Familien der Unternehmerinnen die Elternzeit überwiegend eine Angelegenheit der Frauen. 57 Prozent übernehmen die Kinderbetreuung größtenteils selbst, in nur jeder zwanzigsten Familie übernimmt der Partner komplett diese Aufgabe.

Dass Unternehmerinnen auch immer Vorbild sind, wissen sie. Und das kommt auch bei potenziellen Mitarbeitern gut an. So wie bei Laura Anderson. Die Industriedesignerin hat sich bewusst für das mittelständische Pharmaunternehmen Syntrion entschieden, das auch von einer Geschäftsführerin geleitet wird, die selbst Kinder hat. Um auch ihren Mitarbeitern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen, setzen laut Umfrage knapp 80 Prozent der Unternehmerinnen auf flexible Arbeitszeiten. Im vergangenen Jahr waren es noch knapp über 70 Prozent. Knapp drei Viertel bieten ihren Mitarbeitern Heimarbeit an – rund ein Viertel bietet sie generell an, die restlichen zumindest für bestimmte Mitarbeiter oder besondere Situationen.

Flexibilität ist den Unternehmerinnen wichtig, doch eine generelle Regelarbeitszeit von wöchentlich 32 Stunden hält die große Mehrheit der Befragten allerdings nicht für dringlich. „Unternehmerinnen finden jetzt bereits maßgeschneiderte Lösungen für flexible Arbeitszeiten und Home Office in ihren Betrieben. Eine gesetzlich geregelte Familienarbeitszeit widerspricht dem Gedanken der Flexibilität und wäre eine staatliche Bevormundung“, sagt VdU-Präsidentin Stephanie Bschorr.

Das Institut für Mittelstandsforschung in Bonn hat ermittelt, dass 2015 insgesamt knapp 29 Prozent der Unternehmen im gewerblichen Bereich von Frauen gegründet wurden – ,it ganz leicht steigender Tendenz. Interessant ist darüber hinaus, dass zwischen 2011 und 2014 die Zahl der weiblichen Gründer im Nebenerwerb um mehr als zehn Prozent gestiegen ist. Das Portal für kreative Ideen und Geschenke, Dawanda, kann diesen Trend nur bestätigen: So sind 80 Prozent der 340.000 Verkäufer auf dem Portal weiblich, die meisten arbeiten von Daheim, heißt es bei Dawanda. Aber es gebe auch professionelle Hersteller und Designer, die sogar Mitarbeiter beschäftigen.

Mit Kindern auf dem Chefposten


Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Die Unternehmerinnen, deren Verband sich als einziger Unternehmerverband für die Frauenquote ausgesprochen hat, reihen sich bei der Frage nach dem Entgeltgleichheitsgesetz aber wieder ins Lager der anderen Unternehmerverbände ein. Auch wenn 80 Prozent von ihnen Handlungsbedarf bei dem Thema sehen, lehnen sie das Gesetz mehrheitlich ab.

Sie fürchten bei einer vollkommenen Offenlegung der Gehaltsstrukturen um den Betriebsfrieden und sehen sich in ihrer unternehmerischen Freiheit beeinträchtigt. Fast ebenso viele schreckt der bürokratische Aufwand. An der Umfrage nahmen knapp 300 Unternehmerinnen teil. Die Mitglieder des Verbands erwirtschaften einen Jahresumsatz von 85 Milliarden Euro und beschäftigen rund 500.000 Mitarbeiter.

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