Unternehmerscheu
Mittelstand bei Fusionen weiter rückständig

Während deutsche Großkonzerne zuletzt zahlreiche Zukäufe geschultert haben, hinkt der Mittelstand nach Einschätzung des Branchenverbands BM&A im internationalen Vergleich bei Übernahmen weiter hinterher. Hauptgrund: Viele Unternehmen in Familienbesitz weigern sich, Nachfolgern das Ruder zu überlassen.

HB FRANKFURT. „In Deutschland haben wir einen großen Stau wegen der fehlenden Übernahmekultur“, sagte Kai Lucks, Vorsitzender des Bundesverbandes Mergers & Acquisitions (BM&A). In Deutschland erreiche das Volumen von Fusionen und Übernahmen (M&A) gerade einmal vier Prozent des Bruttosozialprodukts. In Großbritannien liege der Anteil hingegen mit zehn Prozent mehr als doppelt so hoch.

„Anstatt das Unternehmen professionell weiterzureichen, wird es am Ende geschlossen“, sagte Lucks. Der Verband will dies durch Informationskampagnen ändern. Es gebe erste Fortschritte, diese beschränkten sich vor allem aber auf große Unternehmen, räumte der BM&A-Chef ein. „Die Dinge bewegen sich nicht so schnell.“

Anders als viele Finanzexperten und Private-Equity-Firmen sieht Lucks derzeit keine Überhitzung des Marktes durch zu hohe, unwirtschaftliche Preise bei der Übernahme von Firmen. „Bei den strategischen Investoren gibt es ein hohes Maß an Vorsicht“, sagte er. Dies gelte auch für die meisten Finanzinvestoren. Gerade Beteiligungsgesellschaften verfügen über so viel Liquidität wie niemals zuvor und finden wegen des daraus resultierenden Wettbewerbs kaum noch Akquisitionsziele zu akzeptablen Preisen. Gemessen am operativen Gewinn (Ebitda) der potenziellen Übernahmekandidaten sind diese so hoch wie selten zuvor.

Der Branchenverband geht davon aus, dass sich das Volumen des deutschen M&A-Marktes bis zum Jahr 2025 auf 250 Milliarden Euro erhöht und damit mehr als verdreifacht. In China werde im gleichen Zeitraum der Markt auf gut 2,5 Billiarden Euro zulegen - derzeit sind es nach Zahlen von BM&A 104 Milliarden Euro.

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