Untersuchung: Flexibilisierung führt zu mehr Lebensqualität
Hilfreiche Arbeitszeit-Modelle

Flexible Arbeitszeiten kommen in der Regel sowohl dem Unternehmen als auch den Mitarbeitern entgegen. Doch nicht jede Variante eignet sich. In bestimmten Fällen muss man im Betrieb sogar über eine Neuorganisation der Abläufe nachdenken, um eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung zu finden.

Seit sieben Jahren betreibt Uwe Marquardt im westfälischen Bünde sein Fahrradgeschäft. Anfangs übernahm er alle Arbeiten selbst. Später unterstützten ihn seine Frau und ein Angestellter mit einer 38,5-Stunden-Woche im Verkauf und bei Reparaturen.

Dass die Stadt vor fünf Jahren beschloss, sich der Aktion "100 Radstationen in NRW" anzuschließen, passte dem Zweiradspezialisten genau ins Konzept. Seitdem beschäftigt er in Radstation und Reparaturwerkstatt eine Vollzeitkraft, zwei Auszubildende sowie im Sommer eine zusätzliche Vollzeitkraft.

Die unterschiedlichen Öffnungszeiten, die dünne Personaldecke, saisonale Schwankungen und das allgemeine konjunkturelle Tief erschwerten jedoch die Abdeckung der zu leistenden Arbeitsstunden. Marquardt analysierte mit einem Arbeitszeitberater die momentane Situation und diskutierte seine Ideen mit den Mitarbeitern: "Wir mussten reagieren und die Arbeitsstunden effizienter verteilen", so der Geschäftsinhaber, "sonst hätte ich entlassen müssen".

Entstanden ist ein Modell, das sich am Arbeitsaufkommen orientiert: Die Auszubildenden haben regelmäßige Arbeitszeiten, die sich über das gesamte Jahr gleichmäßig verteilen. Der ganzjährige Vollzeitmitarbeiter hingegen verteilt seine Arbeitsstunden nach Bedarf. Auch die Verteilung des Gehalts orientiert sich am Arbeitsaufkommen und damit an den saisonal unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten des Chefs. Dieses seit Sommer 2002 erfolgreich praktizierte Modell zeigt: Selbst in Kleinstbetrieben können angepasste Arbeitszeiten zur Sicherung von Arbeitsplätzen beitragen.

Flexible Arbeitszeiten stehen überall hoch im Kurs. Politiker fordern sie, damit Beschäftigte Beruf und Familie besser vereinbaren können; Unternehmer verlangen nach ihnen, um in Zeiten wirtschaftlicher Flaute nicht unausgelastete Mitarbeiter beschäftigen zu müssen. In der Praxis stößt die Flexibilisierung von Arbeitszeiten dagegen an ihre Grenzen. Forscher des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (www.wz-berlin.de) haben herausgefunden, dass Beschäftigte bestimmte Angebote bisher nur zögerlich nutzen. Arbeitszeitkonten etwa "bringen für die Beschäftigten neue und schwer kalkulierbare Risiken mit sich", sagt Prof. Dr. Eckart Hildebrandt, Mitautor der Studie "Prekäre Balancen. Flexible Arbeitszeiten zwischen betrieblicher Regulierung und individuellen Ansprüchen" (Edition Sigma, Berlin 2004).

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