US-Investor entdeckt den Mittelstand
Buffett im Schwabenland

Über 40 Firmen kaufte Finanzgenie Warren Buffett in den USA. Im Ausland hielt sich der zweitreichste Mann der Welt bisher zurück. Doch nun entdeckt der Finanzinvestor bei einem Zwischenstopp den deutschen Mittelstand.

STUTTGART. „Isch der Warren schon gelandet?“, fragt Peter Fürtsch eine seiner Mitarbeiterinnen am Telefon. Die für Nordamerika typische Anrede mit Vornamen ist bereits am Firmensitz im badischen Ettlingen angekommen. „Country Sales Manager und Prokurist Iscar Germany“, steht auf seiner Visitenkarte. Kurze Zeit später erscheint „Warren“. Fast niemand auf der Stuttgarter Fachmesse für Metall erkennt den prominenten Gast. Nahezu ungestört gelangt der hinter Microsoft-Gründer Bill Gates zweitreichste Mann der Welt durch das übliche Messegetümmel.

Warren Buffett trägt einen leichten grauen Anzug, eine melierte Krawatte und wirkt eher wie ein emeritierter Maschinenbau-Professor. In seinem Gefolge sind die Vertrauten Charles Munger, Marc Hamburg und David Gottesman. Die illustre und betagte, aber milliardenschwere Reisegruppe stoppt beim Stand der deutschen Tochter von Iscar. Fotos mit jungen, hübschen Hostessen. „I like that“, scherzt der ältere Herr. Jetzt klicken die Amateur-Digitalkameras doch zuhauf. Buffett lässt alles über sich ergehen. Als er mit einem Chinesen abgelichtet werden soll, nimmt er seinen Geldbeutel aus der Tasche und hält ihn in die Kamera – sein Lieblingsgag. Buffett trinkt ein Glas Cola, was sonst? Schließlich haben ihn Investments in den 80er-Jahren in Firmen wie Coca-Cola, McDonald’s oder Gillette reich gemacht. „Forbes“ taxiert den Mann aus Omaha auf 44 Mrd. Dollar.

Aber was hat Buffett bei dem kleinen Zerspanungsspezialisten verloren? Berkshire Hathaway, die Holding von Warren Buffett, hat am 6. Mai dieses Jahres für etwa vier Mrd. Dollar 80 Prozent an der Iscar-Mutter IMC Group gekauft, einem israelischen Hersteller von Hartmetallwerkzeugen. Es ist das erste Mal, dass der inzwischen 76-Jährige im Ausland zugeschlagen hat. Alle anderen über 40 Firmen kaufte er in den USA.

Warren Buffett hat Gefallen am Mittelstand gefunden. „Wir haben auch deutsche Firmen auf unserem Radar. Wir wollen, dass diese Firmen auch uns auf dem Radar haben“, sagt Buffet. Das ist das eigentliche Anliegen des ansonsten öffentlichkeitsscheuen Finanzgenies. Er weiß genau, dass es viele Familienunternehmen gerade in Südwestdeutschland gibt. Er will das Feld nicht den „Heuschrecken“ überlassen. Beteiligungsunternehmen, die kommen, ein Unternehmen zerlegen und verkaufen, mag er nicht. „Wir kommen nicht mit Uniabsolventen und mischen die Firmen auf. Wir lassen alles, wie es ist, weil uns die Leute vorher überzeugt haben“, sagt Buffett. Er schaue immer darauf, dass die Leute ihr Unternehmen lieben und nicht das Geld, das sie beim Verkauf bekommen. Er habe nie einen Unternehmenschef nach der Übernahme gefeuert. Mit Berkshire ins Geschäft zu kommen, sei die einzige Möglichkeit für einen Unternehmer, sein Lebenswerk zu verkaufen und es doch zu behalten, sendet Buffett Signale an Familienunternehmer mit Nachfolgeproblemen.

IMC kaufte Buffett, ohne es vorher gesehen zu haben. Tatsächlich ist der Besuch in Deutschland ein Zwischenstop nach dem erstmaligen Besuch der israelischen Muttergesellschaft. Eitan Wertheimer, Sohn des Firmengründers und Chairman der IMC Group, habe ihm vor einem Jahr auf eineinhalb Seiten sein Unternehmen vorgestellt. Das habe ihn so überzeugt, dass er für das Unternehmen mit rund einer Mrd. Dollar Umsatz vier Mrd. Dollar bezahlt.

Buffett investiert in Unternehmen mit starken Marken oder Technik. Die Bearbeitung von Metall stehe unter hohem Wettbewerbsdruck. Die Firmen wollen schneller und kostengünstiger produzieren. „Dass wird sich so schnell nicht ändern, und deshalb wird hier künftig gutes Geld verdient“, sagt Buffett. Vor allem in Asien sei die Nachfrage nach Bohr- und Fräsköpfen gewaltig.

„Jeder, der ein gutes Unternehmen verkaufen will, kann mich anrufen “. Buffett trinkt noch eine Cola mit Eis. Dann treten die Bodygards doch noch in Erscheinung und geleiten ihn in die dunkle Limousine zum Flughafen – zurück in die USA.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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