Venture Capital
Streit um Wagniskapital

"Kompliziert" und "nicht wettbewerbsfähig" - das Urteil der Branche über die neue Initiative der Bundesregierung zur Förderung von Venture Capital ist deutlich. Doch Bundesfinanzminister Steinbrück bleibt dabei: Die Bundesregierung müsse das Marktversagen in der Frühphasenfinanzierung verhindern.

BERLIN. An der geplanten Förderung von Beteiligungskapital für junge, innovative Unternehmen scheiden sich die Geister. Die Bundesregierung hat mit Blick auf die wichtige Frühphasenfinanzierung junger Betriebe "Marktversagen" diagnostiziert. "Es fehlt hinten und vorn an Geld", bringt Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) das Problem auf den Punkt.

Mit dem geplanten "Gesetz zur Modernisierung der Rahmenbedingungen für Kapitalbeteiligungen" (MoRaKG), das sich nach monatelangen Verzögerungen nun auf der Zielgeraden befindet, soll dieses Problem angegangen werden. Doch der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) winkt ab. "Zweifellos ist das Vorhaben gut gemeint, aber es geht in seiner jetzigen Fassung an den Bedürfnissen unserer Mitglieder vorbei", sagt BVK-Geschäftsführerin Dörte Höppner. Bei einer Umfrage hätten lediglich sieben Mitglieder signalisiert, eine Wagniskapitalbeteiligungsgesellschaft zu gründen, wie sie das MoRaKG vorsehe.

Die Zurückhaltung ist für den BVK nachvollziehbar. "Das Gesetz ist im europäischen Vergleich nicht wettbewerbsfähig, es ist sehr kompliziert, adressiert nur einen sehr kleinen Teil der Branche und verkennt viele Anforderungen an Private-Equity-Fonds", kritisiert Höppner. So würden beispielsweise die im MoRaKG vorgesehenen Kriterien für die Steuertransparenz sehr restriktiv ausfallen. Steuertransparenz besagt, dass die Besteuerung auf der Anlegerebene und nicht auf der Fondsebene stattfindet. "Für institutionelle Investoren ist die Steuertransparenz das entscheidende Kriterium zu investieren", sagt Höppner. Doch die Voraussetzungen, als Fonds vermögensverwaltend und nicht gewerblich eingestuft zu werden, seien in dem MoRaKG noch enger gefasst als in einer Verwaltungsanweisung des Bundesfinanzministeriums aus dem Jahr 2003, nach dem die meisten BVK-Mitglieder ihre Fonds derzeit auflegen würden.

2007 brachen in Deutschland die Venture-Capital-Investitionen um 19 Prozent auf 840 Mill. Euro ein. Allerdings entwickelte sich die Finanzierung für Unternehmen besser, die sich noch in einer frühen Finanzierungsphase befinden. Seed- und Start-up-Finanzierungen - etwa für Unternehmen, die noch eine belastbare Geschäftsidee austüfteln, und für junge Gründer - erhöhten sich von 31 Mill. auf 49 Mill. Euro beziehungsweise von 233 Mill. Euro auf 300 Mill. Euro. Doch auch hier hat der Staat seine Hand im Spiel. Der BVK konzediert, dass dieser Anstieg größtenteils auf das Engagement des High-Tech-Gründerfonds zurückzuführen sei. Dieser 2005 vom Bundeswirtschaftsministerium initiierte Fonds ist mit 272 Mill. Euro ausgestattet und von der öffentlichen Hand auch maßgeblich finanziert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%