Verband kippt Prognose
Die Aufträge im Maschinenbau sind weg

Die Wirtschaftsflaute hat beim erfolgsverwöhnten deutschen Maschinen- und Anlagenbau voll durchgeschlagen. Gegen Ende des Jahres 2008 brachen die Bestellungen massiv ein. Es trifft sogar Stars der Branche. Der Bundesverband der Maschinenbauer kann seine Prognose fürs laufende Jahr nicht mehr halten. Dennoch ist Experten um die Zukunft der Branche nicht bange.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) hat am Dienstag in Frankfurt seine Prognose für 2009 gekippt. Die Branche rechnet nun mit einem Rückgang der Produktion um sieben Prozent, nachdem bislang ein stabiler Verlauf erwartet worden war. 25 000 der 975 000 Arbeitsplätze in den Kernbelegschaften würden der Flaute zum Opfer fallen, schätzt der VDMA.

Im Dezember lagen die Bestellungen um 40 Prozent unter dem Wert des Vorjahreszeitraums, wobei Inland und Ausland etwa gleich stark nachgaben. Selbst in dem von kurzfristigen Schwankungen weniger beeinflussten Dreimonatsvergleich Oktober bis Dezember verloren die Maschinenbauer 29 Prozent der Aufträge. "Das vierte Quartal 2008 ist damit das schlechteste Quartalsergebnis seit 1958", sagte VDMA-Präsident Manfred Wittenstein. "Ich warne jedoch ausdrücklich davor, die Entwicklung des Auftragseingangs im zu Ende gehenden Jahr 2008 und wahrscheinlich auch im noch jungen Jahr 2009 als Maßgabe für eine Jahresprognose heranzuziehen."

Selbst der erfolgsverwöhnte Werkzeugmaschinenbauer Trumpf bekommt die Wirtschaftskrise zu spüren und hat deshalb die Arbeitszeiten der Beschäftigten verkürzt. Der Auftragseingang brach einem Unternehmenssprecher zufolge in den Monaten Juli bis Dezember um 20 Prozent auf rund 900 Mio. Euro ein. Bis Ende Oktober hatte der Rückgang noch bei 10 Prozent gelegen. Doch im November bekam das Unternehmen aus dem baden-württembergischen Ditzingen eine "Vollbremsung" zu spüren.

Das begründete der Sprecher im Gespräch mit Handelsblatt.com mit einem "einzigartigen Aufeinandertreffen": Diesmal erfolge der Einbruch weltweit zum gleichen Zeitpunkt massiv und in vielen Branchen - die ausgleichende Wirkung der Exportmärkte fehle. Zu Stornierungen komme es nur vereinzelt. "Es werden einfach keine neuen Aufträge platziert." Die Unternehmen seien so gering ausgelastet, dass sie keinen Bedarf hätten. Ähnlich ist die Einschätzung, die Heideldruck-Chef Bernhard Schreier im Gespräch mit dem Handelsblatt äußerte: "Die Krise hat diesmal von USA über Asien bis Europa alle Regionen in kürzester Zeit erreicht, ausgelöst von einer globalen Finanzmarktkrise von bisher unbekanntem Ausmaß. Die Kunden sind weltweit verunsichert und halten ihre Investitionen zurück."

Der Umsatz von Trumpf werde "nach vier unglaublichen Wachstumsjahren" im laufenden Geschäftsjahr, das am 30. Juni endet, "merklich" sinken, so der Sprecher. Das Unternehmen ist der weltgrößte Hersteller von Werkzeugmaschinen und stellt unter anderem Laserschweißgeräte, aber auch OP-Tische und-Leuchten her. Wegen der schwindenden Auftragslage bei Werkzeugmaschinen und Lasertechnik arbeiten in Produktion, Verwaltung und Vertrieb derzeit 3 700 der insgesamt 4 500 Beschäftigten in Deutschland 20 Prozent weniger und bauen damit die Überstundenkonten ab. Lediglich in den kleineren Sparten Medizintechnik und Elektronik liefen die Geschäfte noch gut, sagte der Sprecher. Die 800 Beschäftigten der beiden Sparten arbeiteten normal.

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