Verbandschef: „Das Wirtschaftswachstum wird nicht ausreichen"
Handwerk baut weiter Stellen ab

Die prognostizierte Konjunkturerholung in Deutschland kann den Beschäftigungsabbau im Handwerk voraussichtlich nicht stoppen. Die Branche ist zu stark binnenmarktorientiert und kann von Exporten kaum profitieren, hieß es. Die geplante Ausbildungsabgabe könne zudem das duale Ausbildungssystem gefährden.

HB MÜNCHEN. In diesem Jahr rechnet der deutsche Handwerk mit weiteren Umsatzrückgängen um ein bis zwei Prozent. Voraussichtlich werden nochmals 100 000 bis 150 000 der rund 5,1 Millionen Arbeitsplätze wegfallen, sagte der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Dieter Philipp, am Montagabend in München anlässlich der bevorstehenden Internationalen Handwerksmesse (4. bis 10. März). „Das Wirtschaftswachstum wird nicht ausreichen, um das Minus, das wir im Handwerk schreiben, in ein Plus zu überführen.“ Das stark binnenmarktorientierte Handwerk könne nicht wie andere Branchen von Exporten profitieren.

Scharfe Kritik übte Philipp an der geplanten Ausbildungsabgabe. Damit werde das duale Ausbildungssystem in Deutschland gefährdet. Betriebe, die sich ihrer Verantwortung für den Nachwuchs entziehen wollten, könnten sich freikaufen. „Die Bundesregierung suggeriert, dass damit zusätzliche Ausbildungsplätze geschaffen werden, das Gegenteil ist der Fall.“ Gemeinsam mit dem Mittelstand solle die Regierung nach Lösungen suchen, forderte Philipp.

Eine persönliche Verantwortung für die Pleite des Internetportals handwerk.de wies der ZDH-Präsident von sich. „Natürlich gibt es in einer solchen Kette Fehleinschätzungen, die kann es schon gegeben haben, als wir beschlossen haben, das machen wir“, sagte Philipp mit Blick auf die Gründung des Portals im Jahr 2000. Diese Entscheidung, aber auch nachfolgende Finanzierungsbeschlüsse seien einstimmig oder mit wenigen Gegenstimmen beziehungsweise Enthaltungen getroffen worden. „Es war ein Projekt, das gut sein sollte für unsere Mitglieder.“

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