Verbandschef Otto Lindner
„Viele Hoteliers arbeiten bis zur Selbstaufgabe“

Eigentlich steht die deutsche Hotelbranche gut da. Trotzdem kämpfen viele familiengeführte Häuser ums Überleben. Otto Lindner, Vorsitzender des Hotelverbands, erklärt im Gespräch die Gründe für die Konsolidierungswelle.
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DüsseldorfSeit Juni 2016 ist Otto Lindner Vorsitzender des Hotelverbands Deutschland (IHA). Dort ist er schon seit vielen Jahren im Vorstand aktiv. Der 54-jährige Düsseldorfer führt in zweiter Generation die Lindner Hotels mit 33 Häusern.

Herr Lindner, der Deutschlandtourismus erlebt einen Boom. Viele ausländische Touristen wie Chinesen und Araber kommen hierher. Aber auch die Deutschen urlauben wieder gerne im Inland – nicht zuletzt wegen der Terrorgefahr am Mittelmeer. Inwieweit profitieren die deutschen Hotels vom Gästeansturm?
Der deutschen Hotellerie geht es gut. Sie steht deutlich besser da als zur Finanzkrise 2009. Die Zahl der Übernachtungen ist 2015 um drei Prozent auf 436,4 Millionen erneut gestiegen. In diesem Jahr dürfte die Branche einen Umsatz von rund 27 Milliarden Euro machen. Im Krisenjahr 2009 waren es gerade mal 19 Milliarden Euro.

Ist auch die Zahl der Beschäftigten gestiegen?
Unsere Branche hat in den vergangenen Jahren rund 30.000 neue Arbeitsplätze geschaffen und in Milliardenhöhe investiert. Hotellerie und Gastronomie sind enorm wichtige Arbeitgeber. Sie beschäftigen unmittelbar 1,4 Millionen Menschen, das sind doppelt so viele wie in der Automobilindustrie arbeiten. Allerdings wird noch nicht in ausreichendem Maße gewürdigt, was Hotels fürs Bruttosozialprodukt und die Wirtschaft in Deutschland leisten.

Trotzdem geht es längst nicht allen Hotels gut. Nicht wenige wirtschaften am Existenzminimum. Woran liegt das?
Etwa 85 Prozent der deutschen Hotels sind Kleinstbetriebe, die privat geführt sind. Ihr Problem: Den meisten fehlt ein klares Profil, um genügend Gäste locken und auskömmliche Zimmerpreise verlangen zu können. Viele Familien arbeiten bis zur Selbstaufgabe, weil sie enorm unter Konkurrenzdruck stehen. Und die Kinder wollen den Betrieb dann oft nicht übernehmen, weil sie nicht wie ihre Eltern 16 Stunden sieben Tage die Woche im Betrieb stehen wollen.

Wer macht den kleinen Familienbetrieben das Überleben so schwer?
Die internationale Kettenhotellerie beschränkt sich längst nicht mehr auf Metropolen und Top-Lagen. Die großen Ketten expandieren auch immer mehr in B- und C-Lagen und machen dort den kleinen privat geführten Hotels Konkurrenz. In der Branche ist eine beispiellose Konsolidierungswelle im Gange. Die kleinen Familienbetriebe drohen, unter die Räder zu kommen.

Welche privat geführten Hotels können sich gegen die internationalen Ketten noch behaupten?
Es gibt starke Nischenanbieter wie zum Beispiel den familiengeführten Bayerischen Hof in München. Mittelständische Hotelgesellschaften wie Althoff, Lindner, Maritim oder Motel One, die ein unverwechselbares Profil in ihrer jeweiligen Kategorie haben, können ebenfalls gut mithalten.

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