Verbesserung der Investitionsbedingungen
Türkei will Schattenwirtschaft bekämpfen

Die türkische Regierung will die weit verbreitete Schattenwirtschaft im Lande gezielt bekämpfen. Vor allem in der Lebensmittelindustrie wird nicht nur der freie Wettbewerb beeinträchtigt, sondern auch die Gesundheit der Bevölkerung gefährdet. Hinzu kommt die abschreckende Wirkung für Investoren.

bfai ISTANBUL. Das Finanzministerium in Ankara hat einen strategischen Plan für den Zeitraum 2008 bis 2012 erarbeitet, wonach der Anteil der Schattenwirtschaft an der gesamtwirtschaftlichen Leistung mit einem Bündel von Maßnahmen jährlich um 2% reduziert werden soll. Damit wird in erster Linie ein Abbau der Wettbewerbsverzerrungen am Markt angestrebt.

Die Aktivitäten von offiziell nicht registrierten und erfassten Wirtschaftseinheiten stellen in der Türkei nach wie vor ein wichtiges Investitionshindernis dar, da die sich aus diesem Missstand ergebenden Wettbewerbsverzerrungen zu einer unerwünschten Benachteiligung der legal operierenden Betriebe und Investoren gegenüber den Schattenwirtschaftseinheiten führen. Bislang wurden die zahlreichen Hinterhofbetriebe, die ohne jede Aufsicht ihren Produktions- und Handelsaktivitäten nachgingen, auch von offizieller Seite mehr oder weniger geduldet, zumal sie auch einen Beitrag zur Reduzierung der Arbeitslosigkeit leisteten.

Doch scheint sich bei der Regierung inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt zu haben, dass die Nachteile dieser unkontrollierten Tätigkeiten außerhalb der Legalität gegenüber den Vorteilen bei Weitem überwiegen. So gab Finanzminister Kemal Unakitan Mitte 2007 einen finanzpolitischen Strategieplan seines Ministeriums für den Zeitraum 2008 bis 2012 bekannt, der darauf abzielt, den Anteil der Schattenwirtschaft an der gesamtwirtschaftlichen Leistung schrittweise um zwei Prozentpunkte pro Jahr zu senken.

Von diesem Ziel verspricht sich der Minister auch einen nicht unerheblichen Beitrag zur weiteren Reduzierung des staatlichen Haushaltsdefizits, zumal der Plan zu erheblichen Steuermehreinnahmen führen dürfte. Über den tatsächlichen Anteil der wirtschaftlichen Aktivitäten in der Türkei, die sich der staatlichen Kontrolle entziehen, liegen unterschiedliche Angaben vor. Während das Finanzministerium für das Jahr 2005 von einem Anteil von 25,5% des Bruttoinlandsprodukts ausgeht, der 1998 noch 33,1% betragen haben soll, reichen die Schätzungen unabhängiger Beobachter bis zu 60%. Die tatsächliche Höhe dürfte im mittleren Bereich zwischen den genannten Zahlen liegen.

Der Fünfjahresplan des Finanzministeriums sieht im Wesentlichen vor, dass durch die allgemeine Senkung der Steuersätze und den gleichzeitigen Abbau von bisherigen Sondervergünstigungen bei der Besteuerung die Erhebungsbasis ausgeweitet werden kann. Auf diesem Weg sollen bisher nicht erfasste Bereiche in die Legalität überführt und insgesamt mehr Steuergerechtigkeit ermöglicht werden. Eine weitere Senkung der Abgabenlast der Betriebe wird schon seit geraumer Zeit von türkischen Wirtschaftsverbänden gefordert, nachdem die Körperschaftsteuer bereits von 30% auf 10% kräftig gesenkt worden war.

Seite 1:

Türkei will Schattenwirtschaft bekämpfen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%