Verbriefte Forderungen
Der schnelle Weg zum Geld

Noch ist das Interesse des Mittelstands an kurzfristigen Forderungsverbriefungen gering. Zu kompliziert, heißt es meist von den Firmenchefs. Doch mittlerweile bieten Banken spezielle Plattformen an, die die Nutzung des Finanzprodukts erleichtern und für mittelständische Unternehmen attraktiver machen soll.

FRANKFURT. „Ist das nicht unglaublich kompliziert?“, ist eine Frage, die Matthias Renner in seinem Berufsalltag oft zu hören bekommt. Kein Wunder, denn zu seinem Job gehört es, mittelständischen Unternehmern den Nutzen von forderungsunterlegten Wertpapieren zu erklären. Renner leitet das Team für so genannte Asset Backed Securities (ABS) bei der WestLB.

Das Interesse aus dem Mittelstand an dieser Finanzierungsform ist noch gering. „Derzeit stehen nach unseren Daten von deutschen mittelständischen Unternehmen zum Beispiel verbriefte Handelsforderungen über 5,5 Mrd. Euro aus“, sagt Jeanne Kerschkamp von der Ratingagentur Moody’s. Das sei nur ein Bruchteil des gesamten Marktes für kurzfristige Forderungsverbriefungen (siehe „Brauche Bares – biete Forderung“).

Zu den Unternehmen, die sich über ABS finanziert haben, gehören die auf Lasergeräte in der Medizintechnik spezialisierte Wavelight AG, der Kunststoff- und Spezialchemiedistributeur Biesterfeld AG und der Automobilzulieferer Witzenmann GmbH. Mit dem Einsatz von ABS können Unternehmen ihre Zinskosten reduzieren. „Es ist ein komplexes Kapitalmarktprodukt, aber im Vergleich zum herkömmlichen Bankkredit sparen wir unter dem Strich ein bis anderthalb Prozent an Zinsen pro Jahr“, sagt Christian Gisy, Finanzvorstand von Wavelight.

Im Prinzip geht es bei Asset Backed Securities darum, dass Unternehmen bestimmte Forderungen aus ihrer Bilanz ausgliedern und an eine Zweckgesellschaft, ein so genanntes Special Purpose Vehikel (SPV), verkaufen. Das SPV zahlt dafür einen Kaufpreis an das Unternehmen und refinanziert diesen über die Ausgabe von Wertpapieren (Securities) an professionelle Investoren. Die Wertpapiere sind mit den Forderungen (Assets) besichert (backed). Deshalb verlangen Investoren für sie weniger Zins als für ungedeckte Papiere.

Für Mittelständler bieten Banken standardisierte Verbriefungen über Plattformen an. Dabei gründen die Banken die Zweckgesellschaften und geben Zinspapiere aus, in denen die Forderungen mehrerer Mittelständler gebündelt sind. „Das senkt die Gebühren für die Dokumentation und die Strukturierung beträchtlich und macht die Verbriefung für die einzelnen Firmen viel einfacher“, sagt Christian Reinisch vom ABS-Team der auf den Mittelstand spezialisierten IKB Deutsche Industriebank.

Dank der Standardisierung können Unternehmen bereits Forderungen ab einem Volumen von zehn Mill. Euro schnell zu Geld machen. „Dafür sollten die Unternehmen einen Umsatz ab 150 Mill. Euro haben“, meint Renner von der WestLB. Ein eigenes Rating brauchen sie dafür nicht. Die Ratingagenturen bewerten lediglich den Pool der Forderungen, der so strukturiert wird, dass er sehr gute Bonitätsnoten bekommt.

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