Verdacht auf Preisabsprachen
Preisschock bei Süßigkeiten

Kräftige Preiserhöhungen bei einer der Lieblingsspeisen der Deutschen: Für Schokolade müssen Kunden rund 14 Prozent mehr bezahlen. Das Kartellamt ist alarmiert - sieben deutsche Süßwarenhersteller stehen im Verdacht, Preisabsprachen getroffen zu haben.

STUTTGART. Schokolade gehört zu den Lieblingsspeisen der Deutschen. 9,4 Kilogramm vernaschten alt und jung im vergangenen Jahr - im Durchschnitt. Da dürfte die jüngste Preiserhöhung von 14 Prozent manchem Leckermaul auf den Magen geschlagen sein.

Geschmeckt hat der branchenweite Schoko-Preisanstieg auch dem Kartellamt nicht. Sieben deutsche Süßwarenhersteller stehen seit Februar im Verdacht, illegale Preisabsprachen getroffen zu haben. Betroffen waren unter anderem der Milka-Hersteller Kraft Foods, der Schokoriegelspezialist Mars, Kitkat-Produzent Nestlé sowie das Familienunternehmen Ritter Sport. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.

Die Hersteller wehren sich gegen die Vorwürfe. Wichtigster Grund für die Erhöhung seien die hohen Preise für die Zutaten. Vor zwei Jahren bezahlte etwa Schokoladenhersteller Ritter Sport für das Kilogramm Haselnüsse 4,60 Euro, heute berappt man 6,25 Euro. Auch in den hohen Preisen für Milch und Zucker sieht Ritter wesentliche Faktoren für den Preisanstieg. Doch das sei im Fall des Mittelständlers nicht der alleinige Grund für eine Preiserhöhung um ein Fünftel. Vor zwei Jahren startete der Schokoladenhersteller auch damit, seine Rezepturen umzustellen. Die höhere Qualität erfordere eben zusätzliche Zutaten, heißt es im württembergischen Waldenbuch.

"Die Rohstoffpreise sind innerhalb eines Jahres um 20 Prozent gestiegen", bestätigt Torben Erbrath vom Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI). Vor allem der Kakaopreis ist in die Höhe geschnellt. Kostete die Kakaomasse vor zwei Jahren noch 1,80 Euro pro Kilogramm, steht sie nunmehr bei 2,40 Euro. Ähnliches gilt für Kakaobutter. Getrieben wird der Preis nicht zuletzt durch Spekulationen, ausgelöst durch die Finanzkrise in den USA.

Auch neue Konsumgewohnheiten bei den Verbrauchern fördern den Trend. Verbraucher greifen immer öfter zu Schokolade mit hohem Kakaoanteil, weiß der Verein Verbraucherschutz Ernährung Landwirtschaft in Bonn. Trotzdem hofft Thomas Seeger von Ritter Sport , dass die Preiserhöhung nur eine kleine Absatzdelle hinterlässt. "Natürlich laufen die Verbraucher-Telefone bei uns heiß. Die Menschen wollen wissen, warum sie mehr für eine Tafel Schokolade bezahlen müssen", sagt der Unternehmenssprecher. Dennoch rechnen die Schwaben mit einem positiven Geschäftsjahr. 300 Mill. Euro Umsatz sollen es werden. Zehn Mill. mehr als im vergangenen Jahr.

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