Vergleich mit Großkonzernen
Familienunternehmen sind die besseren Arbeitgeber

Familienunternehmen sind verschwiegen, bei ihnen menschelt es, und das macht sie als Arbeitgeber attraktiv. Wer aber die große, weite Welt sehen und Karriere machen will, heuert besser bei einem börsennotierten Großkonzern an. Alles nur Klischees aus einer vergessenen Zeit?
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DÜSSELDORF. Immerhin, 286 Studierende der Wirtschaftswissenschaften kennzeichnen mit solchen Attributen die Unterschiede zwischen Aktiengesellschaften und familiendominierten Firmen wie Heraeus und Haniel. Eindeutiges Fazit der von der Unternehmensberatung Kienbaum befragten Hochschüler: 60 Prozent wollen lieber bei einem großen Familienunternehmen arbeiten.

Zumindest mit ihrer Einschätzung "Schweigen ist Gold" liegen die Studenten richtig, wie die Handelsblatt-Rangliste der 50 größten nicht-börsennotierten Konzerne in Europa zeigt. Selbst Giganten wie der weltgrößte Rohstoffhändler Vitol aus den Niederlanden oder der britische Chemiespezialist Ineos veröffentlichen über den Umsatz hinaus keine Kennzahlen. Und bei Aldi, der Schwarz-Gruppe und etlichen anderen Einzelhändlern basiert sogar der Umsatz nur auf Schätzungen.

Die vier großen Einzelhändler stellen 100 000 Menschen ein

Noch ein weiteres Klischee hält der Realität stand: Familienunternehmen binden sich an ihre Angestellten. Während die 50 größten börsennotierten Konzerne im desaströsen Abschwungjahr 2009 europaweit knapp drei Prozent ihres Personalbestands abgebaut haben, erhöhte sich bei den großen Privatfirmen die Zahl netto um 25 459 Mitarbeiter oder 0,7 Prozent.

Der Einzelhandel, und damit die verschwiegenste aller verschwiegenen Branchen, verdeutlicht die Kluft. Die drei großen deutschen Handelsgruppen Rewe, Edeka, und Schwarz sowie Frankreichs Handelskette Auchan stellten in einem Jahr zusammen netto knapp 100 000 Menschen ein. Im selben Zeitraum trennten sich die großen bekannten Aktiengesellschaften Metro, Carrefour, Finatis und Rallye von 45 000 Mitarbeitern.

Ursache dafür ist aber weniger die von den Hochschülern vermutete Nächstenliebe. Vielmehr kam der familiär oder genossenschaftlich geführte Einzelhandel besser durch die Krise als die Konkurrenz an der Börse. Während Metro, Carrefour, Tesco, Finatis und Rallye allesamt Einbußen hinnehmen mussten, konnten Aldi, Edeka, Rewe und die Schwarz-Gruppe ihre Umsätze allesamt steigern.

Den Ausschlag gibt die Fähigkeit, auf Marktentwicklungen rasch zu reagieren, also kürzere Entscheidungswege. Aldi beispielsweise zog sich nach nur knapp zwei Jahren nach dem Einstieg aus Griechenland zurück, als dort die Filialen unbefriedigend liefen. Dasselbe gilt für Lidl im Baltikum. Der Discounter verkaufte schon vor Jahren seine Grundstücke in Estland, Lettland und Litauen, noch ehe eine Filiale eröffnet war. Ohne darüber ein Wort zu verlieren, gestand sich das Management Branchenkreisen zufolge ein, dass die Konkurrenz ein profitables Geschäft nicht ermöglichen würde. Edeka schließlich hat sich auf den deutschen Markt spezialisiert, wurde dafür zwar oft gescholten, umschiffte deshalb aber besser die Weltwirtschaftskrise.

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  • Sicherlich gibt es viele und verantwortliche Familienunternehmen die auch auf Nachhaltigkeit ausgelegt sind.

    Leider gibt es auch viele kleinere Familienunternehmen, die mitunter von Neurotikern und "Sklavenhaltern" dominiert werden. Solche Führungspersönlichkeiten, die mitunter auch langjährige Unternehmen zu Grunde richten, hätten in Konzernen meist keine Chance.

    Leider ist diesen Unternehmen aufgrund der mitunter noch immer angespannten Arbeitsmarktlage das Personal noch nicht sprichtwörtlich davon gelaufen. Es bleibt zu hoffen, dass diese Zeiten wieder eintreten.

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