Verhandlungen in Großbritannien
Bei der „teatime“ ist das Geschäft tabu

Seit den frühen 90er Jahren hat Großbritannien einen beispiellosen Aufschwung erlebt, getrieben vor allem durch Investitionen. Deutsche Geschäftsreisende glauben meist eine genaue Vorstellung von dem zu haben, was sie auf der Insel erwartet. Allerdings: Der britische Verhandlungsstil hat seine Tücken. So lösen einige typisch deutsche Verhaltensweisen beim Engländer automatisch Widerwillen aus.

LONDON. Höflichkeit, Geduld und Zurückhaltung zählen zu den wesentlichen Charakterzügen der Briten. Dies zeigt sich auch bei geschäftlichen Begegnungen. Deutsche Geschäftsreisende sollten bei ihrem Besuch in Großbritannien versuchen, sich auf die britische Einstellung "Think positive" einzulassen: Gute Geschäftsbeziehungen leiden gerade in Großbritannien nie unter einem Zuviel an Höflichkeit.

Britische Unternehmen sind vergleichsweise hierarchisch aufgebaut. Kein "Untergebener" wird in diesem System seinem Vorgesetzten in der Öffentlichkeit widersprechen. Die Firmen sind stark in einzelne Verantwortungsbereiche beziehungsweise Abteilungen ("Departments") aufgespalten. Dies erfordert einen regen Informations- und Gedankenaustausch und die Fähigkeit zur effizienten Kommunikation, kurz Teamwork und Teamgeist. Die über allem stehende und wachende Klammer ist die "company policy", die als primäre Autorität die Organisation steuert.

Zu den wesentlichen Charakterzügen der Briten zählen Höflichkeit, Geduld und Zurückhaltung. Aktiv zuzuhören und den Gesprächspartner ausreden zu lassen, sind weitere Aspekte dieser Verhaltensnorm. Deutsche Besucher sollten es zumindest für den kurzen Inselaufenthalt wagen, sich auf die britische Einstellung einzulassen: "Think positive", Aufmunterung statt Kritik, Lockerheit statt Verkrampftheit, Lächeln statt Grimm, Schlagfertigkeit statt Verstimmung. "Think positive" in jeder Lebenslage - dies bedarf auch einer gewissen Emotionslosigkeit, denn selbst in der schwierigsten und verfahrensten Situation fällt der Engländer nicht aus der Rolle, bewahrt Haltung und entgleist auch verbal nicht.

Das "please" nicht vergessen

Die britische Gesellschaft erscheint als "Thanks and Sorry"-Gemeinwesen. Für den kleinsten Gefallen bedankt man sich, selbst das kleinste Malheur wird mit einem "Verzeihung/Entschuldigung" bedacht. Und das "Please" gehört natürlich dazu. Gerade als Ausländer kann man nicht großzügig genug davon Gebrauch machen und wird erstaunt sein, wie das Miteinander leichter wird.

Über Mitmenschen negativ zu sprechen, verbietet sich, es sei denn, es findet in wirklich vertrautem Kreis statt. Auch sich zu beschweren ist eher unüblich. Selbst wenn die Bedienung zu lange auf sich warten lässt und das Essen nicht schmeckt, wird lieber stillschweigend die Konsequenz für die Zukunft gezogen.

Persönliche Leistungen herauszustreichen und damit zu prahlen gilt als unpassend. Wer Geld, Macht und Einfluss besitzt, muss gerade deshalb nicht damit hausieren gehen. Auch Besserwisserei, die zudem anderen Menschen bestimmte Anschauungen aufzudrücken sucht, wird nicht gern gesehen.

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