Verhandlungen und Übernahmen
Schlaflos im War Room

Übernahmeschlachten sind nichts für zarte Gemüter. Maximilian Schiessl aber blüht unter Druck erst richtig auf. Bei der Düsseldorfer Sozietät Hengeler Mueller gilt er als Spezialist für den Kampf mit harten Bandagen.

Der Krieg ist ausgebrochen, und Maximilian Schiessl hat keine frischen Hemden dabei. Mit schnellen Schritten hastet der hochgewachsene Anwalt über die Berliner Friedrichstraße. Es ist Samstagnachmittag, und er hat nicht viel Zeit. Vor wenigen Stunden kam die Bestätigung: Merck macht ein feindliches Übernahmeangebot für Schering, Schiessls Mandanten. Ausgerechnet jetzt. Zu Hause in Düsseldorf hat seine hochschwangere Frau Barbara schon ihre Krankenhaustasche gepackt - der erste Nachwuchs steht bevor.

Doch erst einmal: die Hemden. Die nächsten 72 Stunden wird der Wirtschaftsanwalt kaum vom Verhandlungstisch wegkommen. Er blickt sich um. Da drüben, endlich, ein Laden. Schiessl eilt hinein. Wenige Minuten später taucht er wieder auf. Die Hemdenfrage ist gelöst. Nun muss Schiessl zurück - zurück in den War Room.

Maximilian Schiessl ist kein martialischer Mensch. Es war nicht seine Idee, das Besprechungszimmer ausgerechnet als "Kriegsraum" zu titulieren. Aber der Begriff hat sich eingebürgert, und nun muss Schiessl damit leben, dass er mal als "brillanter Feldstratege", mal gar als "Geheimwaffe" bezeichnet wird. Verbündete wie Gegner loben den 47-jährigen Spezialisten für Mergers & Acquisitions gleichklingend in höchsten Tönen.

Seit 19 Jahren arbeitet Schiessl für das Düsseldorfer Büro der Sozietät Hengeler Mueller, seit 17 Jahren ist er Partner. In dieser Zeit hat sich eines herumgesprochen bei Vorständen und Investmentbankern: Wer in eine Übernahmeschlacht zieht, der nimmt am besten Schiessl mit.

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