Verhandlungspraxis
Besserwisser nerven den Israeli

Israel bietet für deutsche Unternehmen zahlreiche Geschäftschancen. Ein Engagement in dem Land muss jedoch gut vorbereitet sein. Im Verhältnis der Israelis zu Deutschland ist die Erinnerung an den Holocaust nicht wegzudenken. Beim Smalltalk zwischen Vehandlungen ist entsprechende Sensibilität ratsam. Wer die Regierungspolitik kristisiert oder jüdische Traditionen missachtet, kann sich den Erfolg verbauen.

JERUSALEM. Die deutsch-israelischen Beziehungen werden entscheidend von der Geschichte mit geprägt. Die Existenz jüdischer Gemeinden auf deutschem Boden ist seit dem frühen 4. Jahrhundert belegt. Im Laufe der Jahrhunderte war Deutschland ein bedeutendes Zentrum jüdischen Lebens und jüdischer Gelehrsamkeit. Vor allem seit der Aufklärung spielten Juden eine maßgebliche Rolle in der deutschen Kultur. Juden gehörten zudem zu den wichtigsten Trägern der deutschen Sprache und Kultur in Ost- und Südosteuropa und brachten innerhalb wie außerhalb Deutschlands viele bedeutende deutschsprachige Dichter und Schriftsteller hervor.

Die Periode der Koexistenz erfuhr ein Ende mit der nationalsozialistischen Judenverfolgung und der Ermordung von sechs Millionen Menschen. Der Holocaust ist weltweit, auch in Israel, Teil des kollektiven wie des individuellen jüdischen Bewusstseins geworden.

Das Thema Holocaust belastet nach wie vor das Verhältnis der Israelis zu Deutschland. Dennoch sind die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Staat Israel freundschaftlich und eng. Deutsche Besucher können mit freundlicher Aufnahme rechnen. Auch wenn die Vergangenheit angemessene Sensibilität erfordert, verhindert sie nicht gute persönliche Kontakte und zahlreiche Freundschaften.Gleichwohl gelten deutsche Lieferanten als zuverlässig und deutsche Produkte als qualitativ hochwertig.

Das moderne Wirtschaftsleben schafft einheitliche Verhaltensnormen und dadurch einen wichtigen gemeinsamen Nenner für die ethnisch und kulturell sehr diversifizierte Bevölkerung des Landes: Im Jahr 2005 waren 76% aller Landesbewohner Juden und fast 20% Araber, während sich einige Prozente der Bevölkerung auf andere Volksgruppen oder Personen ohne klare Volkszugehörigkeit verteilten.

Trotz solcher Mannigfaltigkeit orientiert sich die Geschäftswelt an den Normen einer modernen Leistungsgesellschaft, erst recht im Bereich außenwirtschaftlicher Beziehungen. Termine sind verbindlich; der Terminkalender von Geschäftsleuten, Managern und anderen Entscheidungsträgern ist dicht belegt.

Bei Behördengängen und Besorgungen laufen die Uhren dagegen zum Teil langsamer. Administrative Verfahren sind noch immer mitunter unübersichtlich und mit strukturellen Mängeln behaftet. Wirtschaftskreise bemängeln zudem, dass in manchen Fällen klare politische und rechtliche Vorgaben - beispielsweise in Sachen Umweltschutz - fehlten. Unter dem Strich kann es im Verwaltungsbereich zu unerwarteten Problemen kommen, die die Bearbeitungszeit verlängern und Verärgerung auslösen.

Im Umgang der Israelis mit der Zeit macht sich schließlich der Charakter eines Landes bemerkbar, in dem sich die Ereignisse oft überstürzen. Stets auf Überraschungen gefasst, haben die Israelis eine ausgeprägte Gabe zur Improvisation und hohe Anpassungsfähigkeit entwickelt. Diese Flexibilität wird jedoch mitunter mit gewisser Hektik erkauft.

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