Verhandlungspraxis Frankreich
Loben Sie Napoleon, das Essen und den Wein!

Frankreich und Deutschland sind aufgrund der intensiven politischen und wirtschaftlichen Beziehungen eng miteinander verwoben. Beide Länder haben dennoch ihre kulturellen Eigenheiten, was bei Geschäftsverhandlungen manchmal vergessen wird. Der von vielen Deutschen gepflegte knappe, schnörkellose Stil kommt nicht gut an - man ist schließlich in Frankreich.

PARIS. Das politische Leitbild in Frankreich offenbart sich bereits bei einem Blick auf die Landkarte: Alle Wege führen nach Paris - Zentralismus in Reinform. Dies gilt nicht nur für die Verkehrswege, sondern auch für Wirtschaft, Kultur und Politik. In Paris sitzt die Regierung und beeinflusst die Geschicke Frankreichs, der EU, des Weltsicherheitsrats und der gesamten französischsprachigen Welt, der sog. Francophonie. Nicht zuletzt ist Frankreichs Hauptstadt alljährlich das Ziel eines sportlichen Großereignisses, das vom Fernsehen in die ganze Welt übertragen wird, der Tour de France.

Staatspräsident, Minister, Premierminister und andere herausgehobene Politiker genießen in Frankreich einen hohen sozialen Status sowie einen großen Vertrauensvorschuss der Bevölkerung und gelten ohne Abstriche als die Führungselite des Landes, zu der alle ehrfurchtsvoll aufblicken. Schließlich haben sie an der ENA - École Nationale de l'Administration studiert, der Kaderschmiede für öffentliche Funktionäre. Und wer dort abschließt, das weiß jeder, ist eine auf das Gemeinwohl getrimmte Führungspersönlichkeit.

Der Umgang mit der eigenen Geschichte ist ebenfalls völlig anders als in Deutschland. Franzosen leben in ihrer Geschichte, die für sie keine Vergangenheit, sondern Gegenwart ist. So ist es verständlich, dass sowohl das Ende des 1. Weltkrieges (Waffenstillstand, 11. November) als auch das Ende des 2. Weltkrieges (Deutsche Kapitulation/Sieg der Alliierten, 8. Mai) in Frankreich Feiertage sind, die nicht nur auf dem Kalender existieren und als arbeitsfreie Tage gerne angenommen werden; Gottesdienste und andere öffentliche Veranstaltungen sind an diesen Feiertagen die Regel und meist gut besucht. Den französischen Nationalfeiertag, den 14. Juli, mit dem das Land des Sturms auf die Bastille im Jahr 1789 gedenkt, kennt man auch in Deutschland. Frankreich ist stolz auf seine Geschichte und insbesondere auf seinen bisher größten Politiker und Staatsmann: Napoleon.

Deutschland und Frankreich sind seit Ende der 60er Jahre einander der weltweit wichtigste Handelspartner. Beim Begriff der "deutsch-französischen Freundschaft" denkt man an Dinge wie den Élysée-Vertrag, den deutsch-französischen Kultursender Arte, das deutsch-französische Korps (Eurocorps), die Präsidenten-Kanzler Paare von De Gaulle und Adenauer, über Schmidt und Giscard d'Estaing, Mitterand und Kohl bis zu Chirac und Merkel oder die erfolgreiche Kooperation beider Länder beim Aufbau des europäischen Flugzeugkonzerns Airbus.

In Frankreich existiert ein traditionelles doppeltes Wirtschaftsgefälle: zum einen zwischen Paris und dem ganzen Rest des Landes, schlichtweg als Provinz ("province") bezeichnet, zum anderen zwischen dem industrialisierten Norden und Osten sowie dem landwirtschaftlich geprägten Westen und Südwesten. Die Region um Paris ist ein gewaltiger wirtschaftlicher Ballungsraum, Hauptsitz nahezu aller wichtigen Konzerne und Banken, Verbände und Institutionen.

Höflichkeit, Etikette, Grußformeln und Ähnliches haben in Frankreich einen höheren Stellenwert als in Deutschland. In Frankreich läuft man den ganzen Tag mit einem "Bonjour, Madame", " Merci, Monsieur" oder "Au revoir, bonne journée" auf den Lippen herum. Ja, selbst im Supermarkt wird zunächst einmal die Kassiererin begrüßt. Und nach dem Bezahlen wird ihr noch ein schöner Tag oder ein schöner Abend gewünscht und sich höflich und herzlich für die erbrachte Dienstleistung bedankt.

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